26. Mai 2026
Veröffentlichungsreihe – 2 von 120 Insights
Die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) ist das zentrale Instrument, mit dem Inverkehrbringer fossiler Otto- und Dieselkraftstoffe ihre Emissionen gegenüber einem Referenzwert reduzieren müssen. Für Unternehmen mit elektrischen Fahrzeugflotten – etwa ÖPNV-Busbetreiber, Logistiker oder Betreiber großer Pkw-Flotten – ist besonders relevant, dass Strom für Elektrofahrzeuge als Erfüllungsoption angerechnet und als Quotenminderung an die quotenverpflichteten Mineralölunternehmen veräußert werden kann. Diese Erlöse können einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung von E‑Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur leisten.
Rechtsgrundlage der THG-Quote sind §§ 37a ff. BImSchG (Bundes-Immissionsschutzgesetz) und die 38. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung). Inverkehrbringer fossiler Kraftstoffe müssen die Emissionen der von ihnen in Verkehr gebrachten Mengen stufenweise mindern. Zur Erfüllung dieser Minderungsverpflichtung können sie unter anderem auf geprüfte THG-Minderungen aus Strom für Elektrofahrzeuge zurückgreifen. Die 38. BImSchV regelt, wie Strommengen erfasst, in Emissionen umgerechnet und angerechnet werden. Aus der Strommenge wird unter Ansatz eines Emissionsfaktors für Strom und eines Antriebseffizienzfaktors eine Treibhausgas-Minderung berechnet, die als handelbare „Quote“ genutzt werden kann.
Das Umweltbundesamt (UBA) prüft die gemeldeten Strommengen und stellt Bescheinigungen über die anrechenbare Minderung aus. Auf dieser Basis schließen Flottenbetreiber oder zwischengeschaltete Vermarkter Verträge mit quotenverpflichteten Unternehmen.
Mit dem „Zweiten Gesetz zur Weiterentwicklung der THG-Quote“ wurde das Ambitionsniveau des Systems ab 2027 weiter erhöht. Quotenverpflichtete müssen Emissionen um 65 % bis zum Jahr 2040 reduzieren. Für quotenverpflichtete Unternehmen erhöht dies den Bedarf an kosteneffizienten Erfüllungsoptionen – und damit die Bedeutung von Strom aus E‑Flotten.
Zentral für Flottenbetreiber ist die Anpassung der Strom-Multiplikatoren. Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge bleibt die Dreifachanrechnung des Stroms zunächst bestehen: Strom in reinen batterieelektrischen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen wird weiterhin mit Faktor 3 angerechnet. Ab Mitte der 2030er Jahre wird dieser Faktor schrittweise auf 2 und anschließend auf 1 abgesenkt. Die überproportionale Begünstigung entfällt damit langfristig; bis 2034 bleibt der Erlöshebel pro Fahrzeug allerdings hoch. Begründet wird dies mit dem noch fortdauernden Bedarf an einer Begünstigung der Elektromobilität, der jedoch perspektivisch absinken wird.
Für schwere Elektrofahrzeuge, insbesondere E‑Busse (M3) und schwere E‑Lkw (N3), führt die Novelle ab 2027 einen erhöhten Sondermultiplikator ein. Strom in diesen Fahrzeugen wird mit einem Faktor 4 angerechnet, der bis 2040 stufenweise auf 1 sinkt. Damit schafft der Gesetzgeber gezielt Anreize für den Hochlauf der Elektrifizierung in einem Segment, das aufgrund hoher Investitionskosten und technischer Anforderungen bisher nur langsam dekarbonisiert.
Für die Nutzung der THG-Quote durch Flottenbetreiber ist die Unterscheidung zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Ladevorgängen maßgeblich. Beim öffentlichen Laden – etwa an Schnellladeparks oder kommunalen Ladehubs – melden Betreiber ihre Ladepunkte bei der Bundesnetzagentur und erfassen die dort bezogenen Strommengen. Auf dieser Basis beantragen sie beim UBA die Anrechnung; das UBA bescheinigt die anrechenbare THG-Minderung, die anschließend vermarktet wird.
Beim nicht öffentlichen Laden – etwa im Depot, auf Betriebshöfen oder beim Mitarbeitenden zu Hause – wird mit pauschalen Schätzwerten pro Fahrzeug gearbeitet. Voraussetzung ist, dass es sich um reine batterieelektrische Fahrzeuge handelt und die relevanten Zulassungsdaten vorliegen. Das UBA wendet amtlich veröffentlichte Schätzwerte und Faktoren an und bescheinigt die daraus resultierenden THG-Mengen. Flottenbetreiber sollten die einschlägigen Fristen für UBA-Meldungen und den Abschluss von Quotenverträgen fest im Blick behalten, um keine Erlöschancen zu verspielen.
Zusätzliche Potenziale ergeben sich, wenn Ladeinfrastruktur unmittelbar mit erneuerbarer Stromerzeugung gekoppelt wird. Wird Strom aus Wind- oder Solaranlagen direkt hinter demselben Netzverknüpfungspunkt zum Laden genutzt und die regulatorischen Anforderungen erfüllt, kann ein niedrigerer spezifischer Emissionsfaktor angesetzt werden. Dies steigert die THG-Minderung je Kilowattstunde, ist aber technisch und organisatorisch komplex und eignet sich vor allem für größere Standorte mit eigener EE‑Erzeugung.
Ab 2028 kann durch die Bereitstellung von Ladestrom auch Strom aus Biomasse, Deponiegas, Klärgas und Biogas berücksichtigt werden, was für Verpflichtete die Flexibilität bei der Quotenerfüllung erhöht.
Für Betreiber schwerer E‑Flotten wirkt der Sondermultiplikator ab 2027 unmittelbar auf den Business Case. E‑Busse und schwere E‑Lkw generieren pro Kilowattstunde beziehungsweise pro Schätzwert deutlich mehr THG-Quoten als bisher. Diese zusätzlichen Erlöse können helfen, die höheren Anschaffungs- und Infrastrukturkosten zu kompensieren. Gleichzeitig ist das Absenken des Multiplikators bis 2040 in den Planungen zu berücksichtigen, um keine überhöhten Erlöserwartungen zu hinterlegen.
Pkw‑Flotten profitieren bis 2034 weiterhin von der Dreifachanrechnung des Stroms. Für Autovermieter, Carsharing-Anbieter und Unternehmen mit großen Dienstwagenflotten bleibt die THG-Quote in diesem Zeitraum ein relevanter Erlösfaktor. Ab 2035 reduziert die Absenkung des Multiplikators die potenziellen Erlöse je Fahrzeug, sodass langfristige Leasing- und Flottenstrategien diese Entwicklung einpreisen sollten.
Die Ausgestaltung der Ladeinfrastruktur gewinnt ebenfalls an strategischer Bedeutung. Wo EE‑Direktstrom genutzt werden kann, ist eine höhere THG-Minderung je MWh möglich, sofern Mess- und Bilanzierungsanforderungen erfüllt werden. Dies kann insbesondere bei großen Depots oder Hubs mit eigener Photovoltaik oder angeschlossenen EE‑Anlagen interessant sein. Gleichzeitig steigen mit strengeren Kontrollen und Gebühren für UBA-Entscheidungen die Anforderungen an Datenqualität, Dokumentation und Compliance.
Die Novelle justiert bemerkenswerterweise auch die Rolle fortschrittlicher Biokraftstoffe. Die bisherige Doppelanrechnung bestimmter fortschrittlicher Biokraftstoffe wird abgeschafft, um Überförderungen zu vermeiden und knappe Biomassepotenziale effizienter zu nutzen. Diese Anpassung wirkt sich mittelbar auf die THG-Marktpreise aus, da sie die relative Attraktivität verschiedener Erfüllungsoptionen verschiebt.
Hierdurch wird allerdings vielen bislang geschlossenen Quotenvermarktungsverträgen die wirtschaftliche Grundlage entzogen und stellt ein großes Potenzial für Streitigkeiten dar. Denn Quotenkäufern werden nur noch die Hälfte der Quoten für denselben Preis verkauft. Möglich ist, dass Quotenvermarkter auf eine Vertragsanpassung aufgrund bestehender Wirtschaftsklauseln oder der gesetzlichen Ansprüche aus § 313 BGB hinwirken wollen. Wenn Verträge hinreichende Regelungen vermissen lassen, müssen sich die Parteien auf die gesetzlichen Regelungen verlassen. Dabei ist die Auslegung nicht immer eindeutig, sodass der Wegfall der Doppelanrechnung weiterhin auf unsicherer rechtlicher Grundlage steht.
Die Gefahr des Wegfalls bestehender Multiplikationsfaktoren oder Doppelanrechnungen für Quoten bestimmter Energieträger bleibt somit auch in der Zukunft für Bestandsverträge noch bestehen. Für reine Stromflotten bedeutet dies: Strom bleibt eine zentrale Option, konkurriert aber mit einem etwas „gestrafften“ Spektrum an Biokraftstoffen und strombasierten Kraftstoffen.
26. Mai 2026
von Fiammetta Kremer
22. Mai 2026
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15. Mai 2026
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21. April 2026
21. April 2026
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20. April 2026
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20. April 2026
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19. März 2026
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11. März 2026
Der „EEG 2027-Entw." sieht grundlegende Änderungen zum aktuellen EEG vor.
10. März 2026
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23. Februar 2026
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23. Februar 2026
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18. Februar 2026
11. Februar 2026
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26. Januar 2026
von Dr. Janina Pochhammer, Dr. Niels L. Lange, LL.M. (Stellenbosch)
14. Januar 2026
9. Januar 2026
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19. Dezember 2025
15. Dezember 2025
28. November 2025
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12. November 2025
22. Oktober 2025
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13. Oktober 2025
25. September 2025
von mehreren Autoren
23. September 2025
18. September 2025
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15. September 2025
15. September 2025
8. September 2025
8. September 2025
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21. August 2025
5. November 2025
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18. August 2025
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7. August 2025
29. Juli 2025
9. Juli 2025
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17. Juni 2025
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20. Mai 2025
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
15. Mai 2025
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8. Mai 2025
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17. April 2025
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2. April 2025
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31. März 2025
von Dr. Christian Ertel, Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham)
12. Februar 2025
10. März 2025
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
26. Februar 2025
von mehreren Autoren
29. Januar 2025
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28. November 2024
von Dr. Christian Ertel, Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham)
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11. November 2024
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30. Oktober 2024
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18. September 2024
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10. September 2024
18. Juli 2024
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11. Juli 2024
21. Mai 2024
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18. März 2024
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16. Januar 2024
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20. Dezember 2023
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21. Dezember 2023
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16. Oktober 2023
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
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4. Oktober 2023
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29. September 2023
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12. September 2023
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1. September 2023
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25. August 2023
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24. August 2023
von Dr. Niels L. Lange, LL.M. (Stellenbosch), Dr. Janina Pochhammer
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9. August 2023
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2. August 2023
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26. Juli 2023
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12. Juli 2023
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6. Juli 2023
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20. Juni 2023
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26. August 2022
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
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21. Juli 2022
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
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4. Juli 2022
von Dr. Paul Voigt, Lic. en Derecho, CIPP/E, Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham)
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10. Juni 2022
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5. Mai 2022
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15. März 2022
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14. Februar 2022
Power Play: Renewable Energy Update
4. Februar 2022
von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Stefan Horn, LL.B.
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6. Januar 2022
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2. Dezember 2021
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von Olav Nemling
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29. März 2021
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23. März 2021
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21. Januar 2021