Autor
Dominic FitzPatrick

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15. März 2022

Veröffentlichungsreihe – 17 von 30 Insights

Renewable Energy Wrap-Up - Großbritannien

  • Briefing

Mit unserer Reihe Corporate Energy @TW wollen wir aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen im Bereich der erneuerbaren Energien über verschiedene Jurisdiktionen hinweg beleuchten. Taylor Wessings internationale Industriegruppe Energy & Infrastructure zählt mehr als 50 Experten an 16 Standorten. Seit mehr als 15 Jahren sind wir im Bereich Corporate/M&A sowie Finanzierung zu erneuerbaren Energien tätig und verfügen über umfassende rechtliche und wirtschaftliche Expertise und Marktkenntnis. Aktuell belegen wir in den Clean Energy League Tables 2021 weltweit Rang vier, nach der Anzahl der M&A-Deals im Bereich erneuerbare Energien.

Frage: Was sind die wichtigsten aktuellen Entwicklungen im Bereich Transaktionen und Finanzierung von erneuerbaren Energien in Großbritannien?
Antwort: Das Vereinigte Königreich war die erste große Volkswirtschaft, die sich ein verbindliches Netto-Null-Ziel für 2050 gesetzt hat, mit einem Zwischenziel von 78% weniger Emissionen im Vergleich zu 1990 bis 2035. Im 4. Quartal 2021 kündigte die Regierung an, dass Großbritannien zur Erreichung dieser Ziele eine vollständige Dekarbonisierung seines Stromsektors bis 2035 anstrebt. Dazu gehört ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, einschließlich einer Erhöhung der Offshore-Windkapazität auf 40 GW bis 2030. 40 GW Offshore-Windkraft sind fast doppelt so viel wie die gesamte derzeitige Offshore-Windkapazität in Europa (derzeit etwa 25 GW).

Damit wäre das Land weltweit führend. Während der Rückgang der Kosten im Bereich Onshore Wind den Einsatz von Onshore-Windtechnologien im Vereinigten Königreich fördern sollte, haben verschiedene planungsrechtliche Aspekte in England und Wales die weitere Entwicklung von Onshore-Windprojekten substantiell verlangsamt. Onshore-Windenergie und Solarenergie sind unter anderem aufgrund der niedrigeren Kapitalkosten und des technologischen Fortschritts kostengünstiger als traditionelle Stromquellen.

Die Contract for Difference (CfD) Auktionen sind nach wie vor das Instrument der Wahl zur Bereitstellung öffentlicher Mittel für den Kapazitätsausbau. Die vierte und bisher größte Auktionsrunde, mit der 12 GW Stromkapazität gesichert werden sollen, wurde im Dezember 2021 eröffnet, wobei jährlich 285 Mio. GBP u. a. für Offshore-Windkraft-, Onshore-Windkraft-, Solar-, Gezeiten- und schwimmende Offshore-Windkraftprojekte bereitgestellt werden. Die Offshore-Windkraft wird mit 200 Mio. GBP pro Jahr gefördert, wovon 24 Mio. GBP für schwimmende Offshore-Windkraftanlagen (lesen Sie mehr zu schwimmenden Fundamenten in unserem Q&A Schwimmende Fundamente für Offshore-Windparks) und 20 Mio. GBP für neue Technologien bereitgestellt werden. 10 Mio. GBP werden für etablierte Technologien wie Onshore-Windkraft und Solar-PV bereitgestellt. Die Ergebnisse der Auktion werden voraussichtlich im Frühjahr/Sommer 2022 bekannt gegeben. Der Zeitraum, in dem erfolgreiche Projekte in Betrieb genommen werden müssen, steht noch nicht fest, dürfte aber nach der dritten Zuteilungsrunde liegen, d. h. nach 2025.

Die britische Regierung hat kürzlich angekündigt, dass CfD-Auktionen ab 2023 jährlich stattfinden werden (anstelle der derzeitigen zweijährlichen Auktionen).

Frage: Welche Marktentwicklungen sind im Jahr 2022 zu erwarten?
Antwort: Der britische Markt für erneuerbare Energien zieht weiterhin Investitionen an (sowohl inländische als auch ausländische). Die Finanzierung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien belief sich im ersten Halbjahr 2021 auf 6,57 Mrd. USD, womit das Vereinigte Königreich hinter China, den USA, Spanien und Brasilien den fünften Platz weltweit einnimmt. Der Großteil (63%) des gesamten Transaktionswerts im Vereinigten Königreich entfiel erneut auf Offshore-Windprojekte, während der Anteil von Photovoltaik 12,2 % betrug und mit rd. 802 Mio. USD (+81% gegenüber H1 2020) einen sehr starken Aufwärtstrend verzeichnete. Wir gehen davon aus, dass Offshore-Wind, Solar-PV und Batteriespeicher die Hauptschwerpunkte bei der Projektentwicklung sein werden und dass die entsprechende Transaktionsaktivität in diesen Bereichen weiter zunehmen wird. Um das ehrgeizige Ziel der vollständigen Dekarbonisierung des britischen Stromsektors bis 2035 zu erreichen, ist ein erheblicher Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erforderlich. Die Energiekrise, mit der Großbritannien aufgrund des hohen Gasanteils im Energiemix derzeit konfrontiert ist, wird die Nachfrage nach mehr erneuerbaren Energien weiter erhöhen.

Corporate Power Purchase Agreements (PPAs), die es den Unternehmen ermöglichen, ihre Treibhausgasminderungsziele zu erreichen und sich gegen schwankende Marktpreise abzusichern, unterstützen diese Tendenz. Es wird erwartet, dass PPAs das Wachstum im Bereich PV vorantreiben und kurz- und mittelfristig ein großes Aufwärtspotenzial bieten. Wie so oft behindern langwierige Genehmigungsverfahren die Entwicklung von Solar-, Onshore- und Offshore-Windkraftanlagen. Auch die Netzverfügbarkeit kann den weiteren Ausbau behindern.

Im Oktober 2021 veröffentlichte die britische Regierung eine "Roadmap to Sustainable Investing". Dieser Fahrplan enthält insbesondere Anforderungen an die nachhaltige Offenlegung (SDR) für britische Unternehmen und deckt Aspekte der britischen Green Taxonomy ab. Internationale ESG-bezogene Entwicklungen werden Investitionen in erneuerbare Energien zunehmend vorantreiben, insbesondere für institutionelle Anleger und Fremdkapitalgeber. Weitere Entwicklungen in der britischen Gesetzgebung für nachhaltige Finanzen werden diese Entwicklung unterstützen.

Frage: Was ist Ihr persönlicher "Game-Changer" bzw. Ihr "Highlight" im Bereich Erneuerbare Energien in letzter Zeit?
Antwort: Die Energiekrise, mit der das Vereinigte Königreich und andere europäische Länder derzeit konfrontiert sind, könnte ein Wendepunkt für den Energiemarkt sein. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage und der geringeren Gasimporte sind die Gaskosten in weniger als einem Jahr um rd. 500 Prozent gestiegen und könnten noch weiter steigen. Erdgas ist die wichtigste Quelle für die Stromerzeugung in Großbritannien. Während bei der Entwicklung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen Fortschritte gemacht werden, bleibt der Ersatz von Gas zum Heizen und bei der Stromerzeugung eine große Herausforderung. Es ist noch ein langer Weg, bis Technologien wie grüner Wasserstoff in großem Maßstab kommerziell nutzbar sind. Wir beobachten hier jedoch ein zunehmendes Interesse und freuen uns, dass wir Kunden bei Investitionen in diesem Bereich bereits unterstützen konnten.

Haben Sie Fragen oder sind Sie an einem (interdisziplinären) Gespräch mit unserem Corporate Energy & Infrastructure Team interessiert? Wir freuen uns auf ein Gespräch mit Ihnen!


In dieser Serie

Projects, Energy & Infrastructure

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Fokus PV: Agri-PV- und Floating-PV-Anlagen

Q&A Serie: Energy & Infrastructure

23. March 2021

von Dr. Angela Menges

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Wasserstoff-Infrastruktur: Power-to-Hydrogen

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29. March 2021

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Artenschutzrechtliche Ausnahme – Bedeutung für die Windenergie

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12. July 2021

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Fit for 55

Q&A Serie: Energy & Infrastructure

13. July 2021

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Q&A Serie: Energy & Infrastructure

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Aufdach-Solaranlagen

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2. December 2021

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Fit for 55 – Wasserstoff und die Reform des Europäischen Gasmarktes

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Gebäudeenergieeffizienz: Neufassung der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

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14. February 2022

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Renewable Energy Wrap-Up - Großbritannien

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15. March 2022

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Liquefied Natural Gas-Vorhaben in Deutschland: Das LNG-Beschleunigungsgesetz

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Neue Offenlegungspflichten für EU- und Nicht-EU-Unternehmen:

Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen

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Dr. André Lippert informiert über wesentliche Aspekte des Referentenentwurfs zum Rollout von intelligenten Messsystemen (Smart Meter)

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Ein Monat Strom- und Gaspreisbremse – Teil 1

Q&A Serie: Energy & Infrastructure | Aktuelle Erfahrungen aus der Beratungspraxis von EVUs und Industrieunternehmen

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Ein Monat Strom- und Gaspreisbremse – Teil 2

Q&A Serie: Energy & Infrastructure | Aktuelle Erfahrungen aus der Beratungspraxis

31. January 2023

von Dr. Christian Ertel, Hannes Tutt

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