9. Februar 2026
Veröffentlichungsreihe – 2 von 106 Insights
Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben am 05. Dezember 2026 ein neues Netzanschlussverfahren für Batteriespeicher und andere Letztverbraucher (z.B. Datencenter, Elektrolyseure etc.) vorgeschlagen. Dieses soll – vorbehaltlich der Zustimmung der Bundesnetzagentur - ab April 2026 Anwendung finden und das bisherige Windhundprinzip durch ein sogenanntes Reifegradverfahren ablösen.
Hierbei stehen die Umsetzungswahrscheinlichkeit und der Systemnutzen im Mittelpunkt. Ziel ist es, knappe Anschlusskapazitäten gezielt den Vorhaben zuzuteilen, die am schnellsten realisierbar sind und für den Netzbetrieb einen messbaren Mehrwert bieten. Das Konzeptpapier zum Netzanschlussverfahren finden Sie hier.
Der Systemwechsel wurde durch eine kurzfristige Änderung der Kraftwerks‑Netzanschlussverordnung (KraftNAV) kurz vor Weihnachten 2025 begünstigt: Batteriespeicher wurden aus dem Anwendungsbereich der KraftNAV herausgenommen, die zuvor für Anlagen ab 100 Megawatt das Windhundprinzip festschrieb. Nach dieser Änderung fallen auch Großbatteriespeicher unter die Anschlussvorschrift des § 17 Energiewirtschaftgesetzes (EnWG), welcher den Netzbetreibern einen größeren Spielraum einräumt.
Statt einer fortlaufenden Einzelprüfung werden Anträge künftig zyklisch und gebündelt geprüft und bewertet. Circa einmal im Jahr prüfen die ÜNBs alle eingehenden Anträge parallel. Übersteigt die Zahl der Anträge die verfügbaren Kapazitäten – etwa an Schaltfeldern in Umspannwerken – werden die Projekte priorisiert, die gemäß folgender Kriterien den höchsten Reifegrad erreichen:
Eine detaillierte Bewertungsmatrix für die einzelnen Kriterien befindet sich in dem umfangreichen Konzeptpapier (rund 55 Seiten).
Die ausgewählten Vorhaben erhalten anschließend ein Angebot mit einem Zeitplan für den Netzanschluss. Projekte, die in einem Zyklus nicht berücksichtigt werden, können ohne zusätzliche Kosten erneut im nächsten Zyklus teilnehmen.
Verfahren mit bereits reservierter Netzanschlusskapazität werden weiterhin nach dem bisherigen Prozedere ans Netz angeschlossen.
Verfahren, über die bislang noch nicht entschieden wurde, werden keine Entscheidung mehr erhalten und sollen in das neue Verfahren überführt werden. Wer eine solche Überführung ablehnt, muss den Antrag zurückziehen und erhält etwaige bisher geleistete Zahlungen zurück.
Unklar ist, wie mit Verfahren umgegangen wird, die (teils) ablehnend beschieden wurden und bei denen man sich im Streit über den Netzanschluss / die Netzanschlussreservierung befindet.
Der Prozess gliedert sich in drei Phasen: Informations- und Antragsphase, Clusterstudie mit reifegradbasierter Priorisierung sowie Angebotsphase. Für jeden Antrag fällt eine Antragspauschale von 50.000 Euro an. Bei Annahme eines Netzanschlussangebots ist zusätzlich eine Realisierungskaution von 1.500 Euro pro Megawatt zu zahlen; diese wird später auf den Baukostenzuschuss angerechnet.
Ergänzungen und Präzisierungen zum Anwendungsbereich und Start
Mit der Reform reagieren die ÜNB auf die Vielzahl von Netzanschlussanträgen, welche im bisherigen Windhund-Prinzip teils Kapazitäten mit Projekten blockieren, die sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden. Zusätzlich soll das neue Verfahren Planbarkeit, Effizienz und Gleichbehandlung erhöhen und die freigewordenen Kapazitäten gezielt an fortgeschrittene Vorhaben vergeben.
Die ÜNB legen das neue Konzept der Bundesnetzagentur vor. Diese wird das Verfahren prüfen und diesem ggf. zustimmen.
Des Weiteren regen die ÜNBs eine Gesetzesänderung an, um das Verfahren rechtlich abzusichern, da § 17 EnWG den Netzbetreibern zwar einen gewissen Spielraum belässt, jedoch auch unklare Grenzen setzt, sodass die ÜNBs sich bereits jetzt rechtlichen Angriffen gegen das neue Verfahren ausgesetzt sehen.
Zusätzlich regen die ÜNBs an, dass neue Verfahren auf sämtliche Netzanschlusspetenten auszuweiten. Für große Kraftwerke und Erneuerbare-Energien-Anlagen gelten weiterhin gesetzliche Spezialregelungen, die ein Reifegradverfahren nicht zulassen.
Nach einem langen Streit zwischen den ÜNBs über den Umgang mit Batteriespeichern im Netzanschlussverfahren und einer schier unüberschaubaren Vielfalt auf Verteilernetzebene, ist insgesamt positiv hervorzuheben, dass sich die Übertragungsnetzbetreiber auf ein einheitliches und transparentes Verfahren zur Vergabe knapper Netzanschlusskapazitäten verständigt haben. Ein solcher Ansatz erhöht grundsätzlich die Planungssicherheit für alle Beteiligten und kann zusätzlich dazu beitragen, die bislang stark fragmentierte Praxis auf Verteilerebene durch eine (freiwillige) Adaption zu vereinheitlichen. Insbesondere für Projekte mit hohem Entwicklungsstand, die bislang über Jahre in Warteschlangen gebunden waren, sowie für neue Marktteilnehmer, eröffnet das Reifegradverfahren potenziell neue Chancen auf einen zeitnahen Netzanschluss.
Gleichzeitig wirft der Systemwechsel rechtliche und praktische Fragen auf. Kritisch zu bewerten ist insbesondere, dass laufende Netzanschlussverfahren, die nach dem bisherigen „First‑come‑first‑served“-Prinzip begonnen wurden, nicht mehr zwingend abgeschlossen werden sollen. Dies kann Aspekte des Vertrauensschutzes und der Transparenz berühren, da Projektentwickler ihre Planungen auf der Grundlage der bisherigen Verfahrensregeln ausgerichtet haben.
Schließlich ist offen, ob das Reifegradverfahren in seiner vorgesehenen Ausgestaltung vollständig mit den geltenden Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes, insbesondere mit § 17 Abs. 2 EnWG (Einschränkung der Ablehnung) und § 17 Abs. 2a EnWG (Gleichrang zwischen BESS und EE), vereinbar ist. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass die Übertragungsnetzbetreiber eine Bestätigung durch die Bundesnetzagentur anstreben und zugleich selbst eine Konkretisierung beziehungsweise Anpassung der gesetzlichen Grundlagen anregen. Ob und in welcher Form dies erfolgt, dürfte entscheidend dafür sein, wie rechtssicher und belastbar das neue Verfahren langfristig angewendet werden kann.
Zusätzlich bleibt abzuwarten, ob die BNetzA das neue Verfahren überwacht. Insoweit begründet die bisherige Verfahrensausgestaltung erhebliche Entscheidungskompetenzen auf Seiten der Übertragungsnetzbetreiber, insbesondere bei der Bewertung, wo technisch verfügbare Anschlusskapazitäten bestehen. Dies betrifft vor allem die Einschätzung freier Schaltfelder oder die Möglichkeit, zusätzliche Schaltfelder zu errichten. Bislang ist die technische Anschlussmöglichkeit häufig Streitpunkt zwischen den Parteien.
26. Januar 2026
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von Dr. Markus Böhme, LL.M. (Nottingham), Dr. Christian Ertel
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von Dr. Julia Wulff und Dr. Christian Ertel
von Dr. Julia Wulff und Dr. Christian Ertel