26. Januar 2026
Veröffentlichungsreihe – 2 von 105 Insights
Am 26. Januar 2026 richtet erstmals Deutschland den dritten internationalen Nordsee-Gipfel (auch „North Sea Summit“) im Hamburger Rathaus aus. Übergeordnetes Ziel des Gipfels ist es, Entscheidungen für eine engere Zusammenarbeit beim grenzüberschreitenden Ausbau der Offshore Windenergie zu treffen.
Zu diesem Zweck kommen die Staats- und Regierungschefs sowie die Energieminister aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und dem Vereinigten Königreich zusammen. Darüber hinaus sind die Europäische Kommission sowie erstmals die NATO und Island eingeladen. An dem Treffen nehmen zudem über 100 zentrale Akteure aus der Branche teil, darunter insbesondere Vertreter der Bereiche Stromnetze, Windenergie, große Stromabnehmer, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Finanzierungsinstitutionen.
Der Gipfel ist die dritte Veranstaltung und folgt auf den ersten Gipfel in Esbjerg, Dänemark (2022) und dem zweiten Gipfel in Ostende (2023), Belgien. Ursprüngliches Ziel war ebenfalls, die Zusammenarbeit der Anrainerstaaten der Nordsee beim Ausbau der Windenergie auf See zu stärken und somit ihre gemeinsame Abhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten aus Russland angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine zu verringern. Bei der ersten Ausgabe des Gipfels unterzeichneten die vier Gründungsländer (Deutschland, Dänemark, Belgien und die Niederlande) eine Erklärung, in der sie ihr Ziel bekräftigten, ihre gemeinsame Offshore-Stromerzeugungskapazität bis 2050 auf 150 Gigawatt zu vervierfachen.
2023 folgte der zweite Nordsee-Gipfel im belgischen Ostende. Neben den „Esbjerg-Staaten” nahmen auch Norwegen, Frankreich, Luxemburg, das Vereinigte Königreich und Irland teil. In Ostende beschlossen die teilnehmenden Länder, die Nordsee zum „grünen Kraftwerk für Europa” auszubauen und bis 2030 eine Leistung von 120 Gigawatt und bis 2050 insgesamt 300 Gigawatt in der Nordsee zu installieren. Ein Ziel, das sich anschließend auch in der Mitteilung der Europäischen Kommission über die Verwirklichung der Ziele der EU für erneuerbare Offshore-Energie (COM/2023/668) aus Oktober 2023 wiederfand.
Die Offshore-Windbranche befand sich zuletzt in einer schwierigen Situation. So wurden in der Ausschreibungsrunde im Juni 2025 in Deutschland im dynamischen Gebotsverfahren nur vergleichsweise niedrige Gebote eingereicht und bezuschlagt. In der darauffolgenden Ausschreibungsrunde im August 2025 setzte sich diese Entwicklung noch deutlicher fort: Für zwei Flächen in der Nordsee wurde kein einziges Gebot abgegeben – die erste fehlgeschlagene Ausschreibung für Offshore-Windflächen in Deutschland. Als Gründe für die Zurückhaltung wurden unter anderem das Ausschreibungsdesign, Abschattungseffekte zwischen benachbarten Offshore-Windparks, steigende Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette, die Zinsentwicklung sowie mangelnde Infrastruktur, langwierige Genehmigungsverfahren und Engpässe beim Netzanschluss genannt (vgl. hierzu unsere Beiträge „Offshore Windenergie in Deutschland – Aktuelle Herausforderungen” und „Offshore Wind in Deutschland: Von der Marktprämie zu Contracts for Difference?”). Laut einer aktuellen Prognose des Bundesverbandes Windenergie Offshore (BWO) könnten die Ausbauziele für das Jahr 2030 mit nur 19,5 GW statt der geplanten 30 GW deutlich verfehlt werden.
Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch in anderen Ländern ab. So blieb beispielsweise im November 2024 eine Ausschreibung in Dänemark ohne Gebote, aus ähnlichen Gründen wie bei der Ausschreibung im August in Deutschland. Auch in Großbritannien scheiterte bereits im Jahr 2023 eine Ausschreibungsrunde, da die Regierung die Preisobergrenze bei Contracts for Difference (CfD) zu niedrig festgesetzt hatte.
Zuletzt gab es jedoch wieder Lichtblicke in der Branche. So war die jüngste Ausschreibung in Großbritannien ein großer Erfolg. Es handelte sich um die bisher größte Ausschreibung für Offshore-Windflächen in Europa (8,4 GW), für die zahlreiche Gebote eingingen Für die Umsetzung dieses Ausschreibungsdesigns hat die britische Regierung ein Budget von 1,79 Milliarden Pfund bereitgestellt, unter anderem für die Realisierung von CfDs. Auch in den Niederlanden wird im September 2026 mit staatlicher Unterstützung eine Ausschreibung für eine Fläche von einem Gigawatt stattfinden.
Beim dritten Nordseegipfel in Hamburg soll die Umsetzung des in der Ostende-Erklärung formulierten, ambitionierten gemeinsamen Ziels weiter vorangebracht werden. Er steht unter dem Motto „From National to Regional“.
Die wesentlichen Themenfelder für den Gipfel sind:
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gibt als Ziele des Gipfels an, Synergieeffekte bei der Flächennutzung zu erhöhen, den europäischen Stromhandel zu stärken und eine bessere Auslastung der Netzinfrastruktur zu gewährleisten. Dies soll durch die Planung und Umsetzung von Offshore-Windparks, die an mehr als ein Land angebunden sind, sowie durch die Anbindung von Offshore-Windparks aus der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) anderer Länder – sogenannte Kooperationsprojekte – gelingen. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz soll „die Nordsee zum größten Reservoir für saubere Energie weltweit“ ausgebaut werden.
Als Ergebnis des Gipfels erwartet die Bundesregierung sowohl zwischenstaatliche Gipfel-Erklärungen auf verschiedenen Ebenen – eine Erklärung der Staats- und Regierungschefs sowie eine Erklärung der Energieminister – als auch bilaterale und multilaterale Abkommen zwischen den Nordsee-Staaten über Kooperationsprojekte. Zudem wird eine Vereinbarung mit der Industrie erwartet.
Auch wenn die Ergebnisse des Gipfels mit Spannung erwartet werden und ihre Signalwirkung für die Branche gerade in der aktuellen Situation erheblich sein dürfte, darf nicht vergessen werden, dass Gipfel-Erklärungen lediglich den politischen Konsens widerspiegeln. Sie sind nicht verbindlich und münden in der Regel auch nicht in verbindliche Verträge mit Verpflichtungen bezüglich Ressourcen oder Zeitplänen. So wurden die Ausbauziele in den Gipfel-Erklärungen von Esbjerg und Ostende beispielsweise nicht in ein deutsches oder europäisches Gesetz übernommen, sondern verbleiben bis heute als unverbindliches politisches Ziel. Ähnlich dürfte es sich mit der erwarteten Vereinbarung mit der Industrie verhalten, zumal noch völlig unklar ist, welche Inhalte eine solche Vereinbarung überhaupt haben könnte. Zu erwarten ist lediglich, dass mit dieser Vereinbarung das Vertrauen und die Zuversicht in der Industrie erhöht werden sollen.
Konkreter – und damit interessanter – könnten hingegen die bilateralen und multilateralen Abkommen werden. Das gilt insbesondere deshalb, weil sie in Bezug auf Kooperationsprojekte getroffen werden. Sie könnten mithin verbindliche Vorgaben für die Planung und Umsetzung von Offshore-Windparks mit Stromanbindung an mehr als ein Land sowie für die Anbindung von Offshore-Windparks aus der AWZ anderer Länder enthalten.
In Bezug auf die konkreten Inhalte der Gipfelergebnisse verdienen drei Punkte besonderes Augenmerk.
Erstens wurde die NATO erstmals zu dem Gipfel eingeladen und der Schutz kritischer Infrastruktur wurde vom BMWE als eigenes wichtiges Themenfeld aufgeführt. Somit ist davon auszugehen, dass die Verteidigung der europäischen Stromerzeugungsinfrastruktur in der Nordsee einen nicht unwesentlichen Teil der Gipfelerklärung ausmachen wird. In Anbetracht der bereits bestehenden Referentenentwürfe zur Umsetzung der CER-Richtlinie (EU 2022/2557) in ein deutsches KRITIS-Dachgesetz sowie zur Umsetzung der NIS-2-Richtlinie (EU 2022/2555) sind zwar keine großen Neuerungen zu erwarten. Dennoch wäre eine gemeinsame Linie für den Schutz der Offshore-Stromerzeugungsinfrastruktur zu begrüßen.
Zweitens hat die Bundesregierung die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur und des Wasserstoffmarktes zu einem zentralen Thema für den Gipfel bestimmt. Die Bedeutung von Wasserstoff für die Industrie der Zukunft ist bekannt und wird bereits durch eine nationale Wasserstoffstrategie sowie auf EU-Ebene vorangetrieben. Gerade im Hinblick auf bilaterale und multilaterale Abkommen zu Kooperationsprojekten in der Nordsee könnte der Gipfel jedoch interessante Neuerungen bringen.
Drittens ist angesichts des Erfolgs der CfD-Ausschreibung in Großbritannien davon auszugehen, dass das Ausschreibungsdesign zur Schaffung geeigneter Investitionsbedingungen für die Offshore-Windenergie ein zentrales Thema sein wird. Zwar schreibt die EU-Strommarktverordnung (EU 2024/1747) den Einsatz von CfDs oder gleichwertigen Marktinstrumenten bei Ausschreibungen ab 2027 bereits vor. Die konkrete Ausgestaltung der Ausschreibungen ist jedoch noch offen, wie sich auch im Konsultationsverfahren des BMWE zur Novellierung des Windenergie-auf-See-Gesetzes zeigte. Leitlinien für einheitliche Ausschreibungen im Nordseeraum wären zwar wünschenswert, doch sollten die Erwartungen nicht zu hoch sein. Dennoch wäre eine breite Zustimmung zu CfD-ähnlichen Instrumenten ein wichtiges Signal für den Markt.
26. Januar 2026
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