Mit der am 18. März 2026 veröffentlichten Rechenzentrumsstrategie definiert die Bundesregierung einen ersten Rahmen für den Ausbau digitaler Infrastruktur in Deutschland. Rechenzentren werden darin als „entscheidende physische Grundlage der digitalen Transformation“ eingeordnet und zugleich im Kontext von wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, technologischer Souveränität und nationaler Sicherheit gestellt.
Um Deutschland als einen der führenden Rechenzentrumsstandorte zu positionieren, fornuliert die Strategie konkrete Ausbauziele: Die Rechenkapazitäten in Deutschland sollen bis 2030 mindestens verdoppelt, die Kapazitäten für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz und des High-Performance-Computing (HPC) sogar vervierfacht werden.
Die Strategie adressiert dabei drei zentrale Handlungsfelder, die insgesamt 28 Einzelmaßnahmen umfassen – eine entsprechende Übersicht zur Struktur dieser Handlungsfelder stellen wir Ihnen am Ende dieses Insight-Beitrags zur Verfügung:
- Handlungsfeld: Energie und Nachhaltigkeit
- Handlungsfeld: Standort und Fläche
- Handlungsfeld: Technologie und Souveränität
Im Bereich Energie und Nachhaltigkeit strebt die Bundesregierung wettbewerbsfähige Strompreise, beschleunigte Netzanschlüsse und vollständig erneuerbare Energieversorgung an und identifiziert ein “leistungsfähiges und flexibles Energiesystem” als entscheidenden Faktor für den Rechenzentrumsstandort Deutschland. In einem ebenfalls kürzlich veröffentlichten Insight-Beitrag (siehe Link) befasst sich unser Energierechtsexperte Christian Ertel unter Berücksichtigung des Netzpakets gezielt mit der Netzanschluss-Thematik. Im Handlungsfeld Standort und Fläche sollen Genehmigungsverfahren beschleunigt und geeignete Flächen frühzeitig identifiziert und gesichert werden, sowohl mit Blick auf zentrale als auch dezentrale Standorte und immer unter Berücksichtigung des Flächenverbrauchs. Im Bereich Technologie und Souveränität gilt es, die Souveränität im europäischen Verbund zu stärken und Standortvorteile entlang des gesamten Technologie-Stacks zu erzielen.
Energie und Nachhaltigkeit: Stromversorgung als zentrale Voraussetzung
Die Strategie identifiziert den Stromnetzanschluss ausdrücklich als „zentrale Voraussetzung“ für den Ausbau von Rechenzentren und kündigt eine grundlegende Weiterentwicklung bestehender Verfahren an, unter anderem um den Handlungsspielraum für Übertragungsnetzbetreiber zu erhöhen.
Konkret sollen Vergabeverfahren für Netzanschlusskapazitäten überarbeitet, die Transparenz erhöht und Reservierungsmechanismen eingeführt werden. Ergänzend soll die Einführung flexibler Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements) geprüft werden, die einen Anschluss trotz begrenzter Kapazitäten ermöglichen, jedoch mit Einschränkungen verbunden sein können.
Im zweiten Ziel des Handlungsfelds Energie und Nachhaltigkeit wird der Fokus auf das Zusammenspiel von Nachhaltigkeitsmaßnahmen und Erneuerbare Energien gelegt. Bereits heute bestehen gesetzliche Verpflichtungen zur Nutzung erneuerbarer Energien, die bis 2027 eine vollständige bilanzielle Deckung des Strombedarfs von Rechenzentren vorsehen (§ 11 Abs. 5 EnEfG). Über einen Dialogprozess zwischen der Rechenzentrums- und Energiebranche sollen in diesem Kontext unter anderem langfristige PPA-Modelle und regionale EE-Kopplung sowie die Eigenversorgung adressiert werden.
Die Strategie kündigt darüber hinaus für 2026 eine Weiterentwicklung des Energieeffizienzrechts in Form einer Novelle des EnEfG sowie zusätzliche europäische Initiativen an, insbesondere im Rahmen eines EU-weiten Effizienz- und Kennzeichnungssystems (Data Center Energy Efficiency Package). Ergänzend rückt die Strategie auch Aspekte wie Abwärmenutzung und Wasserverbrauch stärker in den regulatorischen Fokus.
Standort und Fläche: Steuerung von Standortentwicklung und Genehmigungsverfahren
Im Rahmen des zweiten Handlungsfelds ist insbesondere die frühzeitige Identifikation und Ausweisung geeigneter bzw. bevorzugter Flächen für Rechenzentren sowie ein standardisierter Kriterienkatalog für Kommunen zur Bewertung und Priorisierung von Standorten vorgesehen. Dabei betont die Strategie insbesondere die Nach- und Umnutzung bestehender Brownfield-Flächen zur Begrenzung zusätzlicher Flächeninanspruchnahme.
Im Kontext von Planungs- und Genehmigungsverfahren zielt die Strategie auf eine Beschleunigung bestehender Verfahren, insbesondere durch einen „Praxis-Check“ und die Identifikation von Best Practices.
Standortpolitik: Fiskalische und infrastrukturelle Rahmenbedingungen
Die Strategie zeigt zudem, dass der Staat auch fiskalische Instrumente zur Steuerung des Ausbaus einsetzen will. So wird unter anderem die Einführung eines besonderen Zerlegungsmaßstabs für die Gewerbesteuer geprüft, um Standortkommunen stärker am wirtschaftlichen Erfolg von Rechenzentren zu beteiligen.
Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Verbesserung der Konnektivität, insbesondere im Bereich Glasfaser- und Mobilfunkinfrastruktur, ausdrücklich als eigenständiger strategischer Standortfaktor für die Ansiedlung und den Betrieb von Rechenzentren hervorgehoben.
Technologie und Souveränität: Ausbau europäischer Kapazitäten
Die Strategie zielt auf eine Reduzierung technologischer Abhängigkeiten und den Ausbau europäischer Kapazitäten, insbesondere im Bereich Cloud- und KI-Infrastruktur. Ergänzend adressiert die Strategie auch die verstärkte Nutzung von Cloud-Infrastrukturen in der öffentlichen Verwaltung, um Skalierbarkeit und Innovationsfähigkeit zu erhöhen.
Hieraus können sich zusätzlich regulatorische Anforderungen ergeben, etwa im Bereich der öffentlichen Beschaffung, der Datensicherheit oder der Nutzung bestimmter Technologien.
Internationaler Wettbewerb: Standortfaktoren für Rechenzentren
Die Strategie ordnet Deutschland ausdrücklich in einen intensiven internationalen Wettbewerb um Rechenzentrumskapazitäten ein. Dabei zeigt sich, dass Faktoren wie Netzkapazitäten, Energiepreise, Genehmigungsdauer und regulatorische Rahmenbedingungen weiter zunehmend entscheidend für Investitionsentscheidungen sind.
Vor diesem Hintergrund zielen die vorgesehenen Maßnahmen darauf ab, die Attraktivität des Standorts Deutschland zu sichern und auszubauen.