30. März 2026
Die EU-Kommission will noch 2026 ein Data Centre Energy Efficiency Package beschließen, das zusammen mit dem Cloud and AI Development Act und der Strategic Roadmap for Digitalisation and AI vorgelegt werden soll. Das besagte Data Centre Energy Efficiency Package ist dabei Teil der Energy Efficiency Roadmap, die im Juni 2025 angekündigt wurde und zehn konkrete Impulse zur EU-weiten Energieeffizienz umfasst. Rechenzentren werden hier im Sinne der Stärkung sektor-spezifischer Produktstandards und Strategien gezielt adressiert:
“Strengthen sector-specific policies and product standards
This includes raising standards for buildings, products, data centres, and heating/cooling by updating regulations, tackling barriers, and promoting high-efficiency solutions. (siehe Link)“
Bereits 2020 hatte die EU in ihrer Digitalstrategie angekündigt, dass Rechenzentren bis 2030 klimaneutral werden sollen. In der Praxis wurde dies durch die Climate Neutral Data Centre Pact aufgegriffen, einer Selbstverpflichtung von über 100 Betreibern, bis 2030 u. a. 100 % Grünstrom zu nutzen, energieeffizienter zu kühlen, Abfälle zu reduzieren und Abwärme zu recyceln (siehe Link). Allerdings war die EU-Kommission der Auffassung, dass freiwillige Maßnahmen allein nicht ausreichen würden, um das Wachstum nachhaltig zu gestalten und das EU-Klimaziel (Netto-Null-Emissionen 2050) einzuhalten.
Das Paket ergänzt dabei bereits existierende Meldepflichten aus der EU-Energieeffizienz-Richtlinie (EED) von 2023.
Was sich abzeichnet, ist ein stufenweises Modell, das systematisch auf Datenerhebung, Vergleichbarkeit, Bewertung und schließlich verbindliche Mindeststandards setzt. Für Betreiber, Investoren und Projektentwickler ist diese Entwicklung bereits heute strategisch relevant – unabhängig davon, wie die finalen Grenzwerte im Einzelnen aussehen werden.
Auch in der am 18.03.2026 von der Bundesregierung veröffentlichen Rechenzentrumsstrategie findet das EU-Paket konkrete Erwähnung. Adressiert wird zum einen die Einführung eines aussagekräftigen Kennzeichnungssystems (“Common Union Rating Scheme for Data Centres”) und zum anderen geeignete Energieeffizienz-Mindestanforderungen als EU-weite regulatorische Basis - für ein “regulatorisches Level-Playing Field in Europa”.
Die EU verfolgt mit der „Energy Efficiency Roadmap“ zehn konkrete Impulse für zentrale Sektoren, darunter Digitalisierung und Rechenzentren, zur sukzessiven Ergänzung der Energy Efficiency Directive, EED (Richtlinie (EU) 2023/1791). Ziel ist, sektorübergreifende Standards, Monitorings, Förderanreize sowie Transparenzinstrumente zu etablieren.
Mit der novellierten Energieeffizienz-Richtlinie (EED) hat die EU 2023 erstmals eine verbindliche Datengrundlage für Rechenzentren geschaffen. Betreiber größerer Anlagen (IT-Anschlussleistung ab 500 kW) sind verpflichtet, jährlich umfangreiche Informationen zu Energieverbrauch, Effizienzkennzahlen, erneuerbaren Energien, Wasserverbrauch und Abwärmenutzung zu melden.
Diese Daten fließen in eine EU-Datenbank ein, um Transparenz zu schaffen und Benchmarking zu ermöglichen (Delegiert VO (EU) 2024/1364). Zudem sollen Betreiber ab 1 MW IT-Leistung aufgefordert werden, den EU-Verhaltenskodex für energieeffiziente Rechenzentren einzuhalten – bisher eine freiwillige Sammlung von Best Practices.
Tatsächlich ist das Reporting jedoch nur dieerste Stufe eines deutlich weiterreichenden Konzepts. Die EU nutzt die Daten nicht nur zur Information, sondern als steuerungsrelevantes Instrument. Ziel ist es, Rechenzentren europaweit vergleichbar zu machen – technisch, ökologisch und perspektivisch auch wirtschaftlich.
Das Data Centre Energy Efficiency Package ist ein Maßnahmenbündel der EU-Kommission, das auf diesen Vorarbeiten aufbaut. Es soll sicherstellen, dass der Ausbau von Rechenzentren in Europa mit den Energie- und Klimazielen vereinbar bleibt. Das Paket umfasst insbesondere zwei zentrale Elemente:
Das Data Centre Energy Efficiency Package steht nicht isoliert. Es ist eingebettet in eine breitere europäische Strategie, die Digitalisierung, Energiepolitik und Klimaschutz systematisch verzahnt.
Zugleich sind die nationalen Gesetzgeber zum Teil schon vorgeprescht. So gilt in Deutschland für Betreiber von Rechenzenten beispielsweise gemäß § 11 Abs. 5 EnEfG:
Diese und andere Regelungen stehen somit auf dem Prüfstand und müssen sich an den europäischen Regelungen ausrichten.
Parallellaufende Initiativen – etwa zur Förderung von Cloud‑ und KI‑Infrastrukturen – machen deutlich: Wachstum ist politisch gewollt, aber nur unter klaren Nachhaltigkeitsbedingungen.
Gerade dieser Zusammenhang erklärt, warum die EU den Weg über Daten, Ratings und Standards wählt. Die Regulierung soll nicht bremsen, sondern steuern – und dabei Investitionen in moderne, zukunftsfähige Infrastruktur lenken.
Weitere Details und Einordnungen zum Data Centre Energy Efficiency Package folgen ab Mitte April.