20. Mai 2026
Die EU strebt im Rahmen des Green Deals nach Umweltfreundlichkeit und effizienten Prozessen. Nicht nur um den schädlichen Einfluss auf die Umwelt zu reduzieren, sondern auch, um die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu erhalten und zu fördern.
Gerade jetzt, wo Künstliche Intelligenz (KI) auf dem Vormarsch ist und auf diesem Feld mitzuspielen wirtschaftliche Stärke ausdrückt und verheißt, rücken die für KI essenziellen Rechenzentren als einer der größten Energieabnehmer der Welt in den Fokus der EU-Kommission. Um den Wettbewerb pro Energieeffizienz voran zu treiben, überarbeitet die EU in ihrem neuen Entwurf einer Delegierten Verordnung der Kommission Ares(2026)3247482 die bereits 2024 durch die Delegierte Verordnung (EU - 2024/1364) ergänzte Energieeffizienz-RL (Richtlinie - 2023/1791).
Nunmehr soll nach dem aktuellen Entwurf ein Unions-Bewertungssystem mit elektronischem Label eingeführt werden, ähnlich zum Digitalen Produktpass (Verordnung (EU) 2024/1781), siehe hierzu bereits die Newsletter hier (aktueller Stand) und hier (speziell zu Spielzeug) . Das sogenannte „Label for data centres“ soll für größere Rechenzentren (voraussichtlich über 500 kW) verpflichtend und für alle neuen bzw. weniger kW verbrauchenden Rechenzentren, freiwillig eingeführt werden.
Auch wenn die maßgebende Kennzahl, die zu der Labelpflicht führt, die IT-Leistungsaufnahme darstellt, soll nicht nur dessen Effizienz auf dem Label dargestellt werden. Vielmehr geht es insbesondere um folgende Informationen:
Alle Werte müssen nach aktuellen Standards bestimmt, also gemessen, kalkuliert oder geschätzt werden. Weiter müssen sie an die zuständige nationale Stelle, oder falls nicht vorhanden direkt an die europäische Datenbank übermittelt werden. Hinzukommend müssen Betreiber im Rahmen der bereits bestehenden Berichtspflichten nach der Energieeffizienz-RL auch Name, Eigentümer und Betreiber, Standort, Art und Jahr und Monat der Inbetriebnahme des Rechenzentrums und Redundanz-Level der elektrischen Infrastruktur und der Kühlinfrastruktur, sowie weitere Leistungsindikatoren übermitteln. Die europäische Datenbank erstellt dann die Labels und macht diese öffentlich einsehbar. Genaue Daten bleiben unter Verschluss. Die zur Verfügungstellung des Labels für Dritte dürfte künftig für jeden Rechenzentrums-Betreiber verpflichtend sein.
Vor allem den Werten der PUE und WUE kommen eine besondere Bedeutung zu. Diese werden voraussichtlich in Form einer Klassifizierung (vergleichbar mit bekannten Energieeffizienzlabels), also auf einer A-bis-G-Skala. Ein grünes A stellt dabei den bestmöglichen Wert dar, während eine rotes G die schlechtmöglichste Klassifizierung ist. Komplementierend zu dem Label ist ein Dokument mit weiteren, insbesondere erklärenden und kontextrelevanten Informationen beizulegen.
Nach der Überarbeitung der Energieeffizienz-RL aus 2024 EU - 2024/1364 mussten Daten wie Name, Eigentümer bzw. Betreiber des Rechenzentrums etc. (s.o.) bereits bis zum 15. September 2024 und seitdem bis zum 15. Mai jeden Jahres übermittelt werden („Datacenter Reporting“). Hinzu kommen künftig jährlich die weiteren für das Label relevanten Informationen. Dabei soll das Label ab 15. August 2027 jedes Jahr durch die europäische Datenbank neu generiert werden. Dieses ist dann jeweils auch nur bis zum 15. August des Folgejahres gültig.
Mit dem Label für Rechenzentren möchte die Europäische Kommission Informationen über den aktuellen Energieeffizienzstand der Rechenzentren sammeln. Diese Informationen sollen ab 31. März 2029 alle drei Jahre im Hinblick auf Nachhaltigkeit und damit auch wirtschaftlicher Effizienz analysiert und Verbesserungen angegangen werden. Das Label soll dabei den Druck auf die Betreiber eines Rechenzentrums erhöhen, indem es Transparenz über deren Energieeffizienz schafft. Das soll zur Folge haben, dass Rechenzentren energieeffizientere Prozesse nutzen und Abwärme aus Kühlungsprozessen weiterverwendet wird.
Das Label bietet auch für Betreiber und Eigentümer von Rechenzentren konkrete wirtschaftliche Chancen. Hersteller werden künftig verstärkt mit der Energieeffizienz ihrer Anlagen werben müssen, was den Wettbewerb weiter intensiviert. Effizientere Technologien werden dadurch zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal.
Davon profitieren auch Betreiber: energieeffizientere Rechenzentren senken laufende Betriebskosten und werden zugleich für Kunden attraktiver – nicht zuletzt aufgrund ihrer besseren Umweltbilanz.
Um diese Vorteile gezielt zu nutzen, ist es entscheidend, sich frühzeitig mit den Compliance Anforderungen der geplanten Delegierten Verordnung vertraut zu machen. Gleichzeitig dürfte das Thema Energieeffizienz künftig noch stärker in den Fokus von Vertragsverhandlungen mit Herstellern rücken.
Co-Autor: Julius Haas