Europa will bis 2030 zum attraktivsten Standort für Life Sciences werden – so lautet das Ziel der EU-Kommission. Doch während die Life Science Strategy 2030 ambitionierte Innovationsräume skizziert, erleben viele MedTech-Unternehmen das Gegenteil: wachsende regulatorische Komplexität, Unsicherheit und Investitionshemmnisse.
Auf einer aktuellen Fachveranstaltung von Taylor Wessing wurden zentrale Entwicklungen rund um MDR, AI Act und produktnahe Compliance diskutiert – Themen, die wir in unserer Zusammenarbeit mit Organisationen der MedTech-Branche regelmäßig strategisch begleiten. Als Partner im Kontext regulatorischer Transformation nehmen wir diese Impulse zum Anlass, die unternehmerischen Auswirkungen und Handlungsspielräume neu zu denken.
Gerade in dieser Lage zeigt sich: Wer regulatorische Anforderungen nicht nur erfüllt, sondern strategisch einordnet, kann daraus echten Fortschritt gestalten – im Portfolio, in der Organisation und in der Governance.
Von der Pflicht zur Kür: Wie MDR strategische Entscheidungen beeinflusst
Die Medical Device Regulation (MDR) wirkt längst über ihre ursprüngliche Rolle als Compliance-Rahmen hinaus. In zahlreichen Beiträgen auf der Taylor Wessing Veranstaltung wurde deutlich: MDR ist zu einem entscheidenden Faktor für Portfolioentscheidungen, Time-to-Market und Investitionslogiken geworden.
Die regulatorische Dichte, vor allem in Kombination mit nationalen Regelwerken wie dem MPDG, stellt mittelständische Hersteller vor enorme Herausforderungen. Produkte, die sich unter dem neuen Regime nicht mehr „rechnen“, werden aktiv aus dem Portfolio genommen. Dies ist kein isoliertes Rechtsproblem, sondern ein strategisches Signal: Unternehmen müssen Klarheit schaffen, wo sie investieren, welche Märkte sie bedienen und wo ein Exit die klügere Option ist.
Strategisch denkende Organisationen nutzen diese Signale, um sich zu fokussieren – auf Kernkompetenzen, nachhaltige Innovationsfähigkeit und regulatorische Resilienz. Mit einem klaren Entscheidungsrahmen lassen sich Risiken aktiv managen und Ressourcen gezielt steuern.
AI Act, MDR und Produkt-Compliance: Ein neuer Ordnungsrahmen entsteht
Regulatorik im MedTech-Umfeld ist längst kein statisches Regelwerk mehr, sie wird dynamisch, vernetzt und tiefgreifend. Besonders deutlich zeigt sich das an der Schnittstelle von KI und Medizinprodukten. Der EU AI Act ergänzt die bestehenden Anforderungen aus MDR und IVDR um neue Prinzipien: Human Oversight, AI-spezifische Risikoklassifikation und Update-Logiken machen klassische IT-Security-Ansätze obsolet.
Für KI-basierte Medizinprodukte greifen nun vertikale (MDR) und horizontale (AI Act) Regime parallel. Das bedeutet nicht nur mehr Anforderungen, sondern neue Erwartungen an die Governance. Qualitätsmanagement-Systeme müssen um AI-spezifische Funktionen erweitert werden. Organisationen, die hier zu spät reagieren, verlieren nicht nur Zeit – sie riskieren regulatorische Sackgassen.
Auch angrenzende Felder wie Verpackungs- oder Batterieverordnungen zeigen: Compliance wird zum End-to-End-Thema entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Es geht nicht mehr nur um Zulassung, sondern um durchgängige Regulierbarkeit – von Design bis Entsorgung.
Gerade hier liegt auch eine Chance: Wer Governance, Organisation und Produktstrategie zusammendenkt, kann aus regulatorischer Komplexität robuste Strukturen entwickeln – gemeinsam mit den eigenen Teams, Schritt für Schritt, von der Idee bis zur Umsetzung.
Strategie braucht Schwung - nicht nur Pläne
Ob MDR, AI Act oder Produkt-Compliance – Regulierungswellen sind gekommen, um zu bleiben. Der entscheidende Unterschied liegt darin, wie Unternehmen damit umgehen. Wer nur reagiert, verliert Tempo. Wer strategisch antizipiert, gewinnt Richtung.
TTE Strategy hilft Unternehmen dabei, gesetzliche Anforderungen in geschäftlichen Fortschritt umzusetzen - mit Fokus, Klarheit und echter Durchsetzungskraft. Transformation beginnt dort, wo Strategie auf Bewegung trifft.
Aus rechtlicher Sicht ist es besonders wichtig, die strategischen Auswirkungen sich entwickelnder Vorschriften wie MDR, AI Act oder produktbezogene Compliance zu verstehen. Unter Taylor Wessings “MedTech Update”-Veranstaltung, wurden diese Entwicklungen nicht nur aus rechtlicher Sicht untersucht, sondern auch im Hinblick auf die Auswirkungen auf das Geschäft erörtert - unter fachkundiger Anleitung von Dr. Daniel Tietjen, Partner bei Taylor Wessing in München.
Mit seiner langjährigen Spezialisierung auf das Medizinprodukte-, Heilmittelwerbe- und Life Sciences-Recht brachte Dr. Tietjen wertvolle Impulse zur Markt- und Wettbewerbsordnung, Prozessrisiken und Compliance in die Diskussion ein. Gerade die Kombination aus juristischer Tiefe und strategischem Weitblick macht Taylor Wessing zu einem wichtigen Sparringspartner an der Schnittstelle von Rechtsberatung und Unternehmensrealität.