15. April 2026
Das Schweizer Recht zur nachhaltigen Unternehmensführung befindet sich in einer neuen Transformation.
Ausgelöst durch eine weitere Volksinitiative (Mai 2025) und getrieben vom veränderten EU-Rahmen nach Omnibus I (RL 2026/470) hat der Bundesrat am 2. April 2026 den Vorentwurf für ein Bundesgesetz über die nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) in die Vernehmlassung geschickt.
Das NUFG soll die bisherigen OR-Bestimmungen (Art. 964a ff.) ablösen und erstmals ein kohärentes Schweizer Gesamtregime aus Sorgfaltspflichten, Nachhaltigkeitsberichterstattung, zivilrechtlicher Haftung und staatlicher Aufsicht schaffen. Es will viel aus der EU nachzeichnen – teilweise sogar mir früherer Geltung.
Dieser Artikel ordnet das NUFG in den historischen Kontext ein, stellt seine Sorgfaltspflichten und Berichtspflichten dem deutschen LkSG, der CSDDD nach Omnibus I sowie CSRD und ESRS gegenüber und erläutert die Einbettung in den EU-Berichtsrahmen einschliesslich der EU-Taxonomie.
Die Volksinitiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt» (erste KVI) wurde im Oktober 2016 lanciert und am 29. November 2020 zur Abstimmung gebracht. Sie forderte:
Das Ergebnis war politisch ambivalent: Eine knappe Volksmehrheit (ca. 50,7 %) stimmte zu, die Mehrheit der Kantone (sog. Ständemehr) lehnte die Initiative jedoch ab.
Es gab in den Jahren 2020 ff. durchaus parallele Bestrebungen in verschiedenen Ländern. Siehe dazu hier.
| Historische Parallelität: KVI 2020 und LkSG 2021 |
|---|
| Die erste KVI und das deutsche LkSG entstanden im selben regulatorischen Moment: Beide reagierten auf denselben Impuls der UN-Guiding Principles on Business and Human Rights (2011) und IECD Leitlinien. Das LkSG wurde im Juni 2021 verabschiedet (in Kraft: 1.1.2023 für >3.000 AN, 1.1.2024 für >1.000 AN). Das Schweizer Pendant blieb nach gescheiterter KVI mit OR 964a ff. erheblich schmaler – ohne LkSG-äquivalente Sorgfaltspflichten, ohne zivilrechtliche Haftung, ohne Aufsichtsbehörde. |
Mit dem Scheitern der ersten Konzernverantwortungsinitiative am Ständemehr trat der parlamentarische Gegenvorschlag per 1. Januar 2022 in Kraft. Art. 964a ff.[1] Obligationenrecht (OR) umfassen drei Regelungsbereiche:
| Schwellenwerte |
|---|
| Die Berichterstattungspflicht über nichtfinanzielle Belange gilt ausschliesslich für Gesellschaften des öffentlichen Interesses (PIE: Publikumsgesellschaften, Banken, Versicherungen, kollektive Kapitalanlagen) nach Art. 2 lit. c RAG, die auf konsolidierter Basis in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren (1) mindestens 500 Vollzeitstellen aufweisen UND (2) eine Bilanzsumme von CHF 20 Mio. ODER einen Umsatzerlös von CHF 40 Mio. überschreiten. Aktuell sind damit schätzungsweise nur rund 250 Unternehmen in der Schweiz betroffen. |
Im Sommer 2024 eröffnete der Bundesrat die Vernehmlassung zu einer Revision von Art. 964a ff. OR, die das Schweizer Recht an die „alte“ CSRD angleichen sollte. Der Vorentwurf sah vor:
Dieser Vorentwurf wurde nie verabschiedet. Der Bundesrat nahm die Vernehmlassungsergebnisse am 21. März 2025 zur Kenntnis und sistierte die Revision, da das EU-Omnibus-Paket die Grundlage für weitere Verschärfungen in Frage stellte. An seiner Stelle trat das umfassendere NUFG-Konzept.
Am 27. Mai 2025 wurde eine neue Volksinitiative («Für verantwortungsvolle Grossunternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt») eingereicht. Der Bundesrat empfahl am 3. September 2025 die Ablehnung und stellte das NUFG als indirekten Gegenvorschlag gegenüber.
Am 2. April 2026 wurde das NUFG in die Vernehmlassung geschickt.| Thema | Neue KVI 2025 | NUFG (Bundesrat-Gegenvorschlag) |
|---|---|---|
| Klimatransitionsplan | Erfolgspflicht: 1,5°C-Ziel verbindlich einzuhalten; Unternehmen haften bei Nichterreichung | Kein Klimatransitionsplan (analog Omnibus I); nur Angabe zum Stand Netto-Null-Ziel im Bericht (Art. 11 Abs. 2a NUFG) |
| Geltungsbereich Sorgfaltspflicht | Ausweitung auf sektorspezifische Hochrisikounternehmen möglich (Bundesrat kann branchenspezifisch tätig werden, z.B. Rohstoffe, Textil, Agrar) | >5.000 VZÄ + >1,5 Mrd. CHF Weltumsatz (analog CSDDD Omnibus I); keine sektorspezifische Erweiterung |
| Haftung | Konzernhaftung der Schweizer Muttergesellschaft für Auslandsgesellschaften; Beweislastumkehr | Verschuldenshaftung (Art. 16 NUFG); kein Konzernhaftungsregime; keine Beweislastumkehr |
| Aufsicht | Unabhängige Aufsichtsbehörde mit weitgehenden Sanktionskompetenzen | RNAB (Erweiterung der RAB); Sanktionen bis 3% Weltumsatz (Art. 31 NUFG); Ausschluss öffentliche Aufträge bis 5 Jahre |
| Pflichtenblock | Schweizer Unternehmen | Ausländische Unternehmen | Franchise-Alternative |
|---|---|---|---|
| Sorgfaltspflichten (Art. 4 NUFG) |
>5.000 VZÄ UND >1,5 Mrd. CHF Weltumsatz (kumulativ, in 2 aufeinanderfolgenden GJ) → ca. 30 Unternehmen in CH | CH-Marktumsatz >1,5 Mrd. CHF im vergangenen GJ + Bevollmächtigter in CH (Art. 4 Abs. 4) | Franchise-/Lizenzerträge >75 Mio. CHF UND Umsatz >275 Mio. CHF mit unabhängigen Drittunternehmen |
| Nachhaltigkeitsbericht (Art. 9 NUFG) | >1.000 VZÄ UND >450 Mio. CHF Weltumsatz (kumulativ, 2 aufeinanderfolgenden GJ) → ca. 110 Unternehmen in CH | CH-Marktumsatz >450 Mio. CHF (2 aufeinanderfolgenden GJ) + Bevollmächtigter in CH (Art. 9 Abs. 3) | Keine spezifische Franchise-Variante |
| Mineralien/Kinderarbeit (Art. 39 NUFG) | Zinn, Tantal, Wolfram, Gold aus Konflikt-/Hochrisikogebieten; Produkte/DL mit begründetem Kinderarbeitsverdacht | Einfuhr in CH oder Bearbeitung in CH | Mengen-Schwellenwerte durch Bundesrat |
| Kriterium | OR 964a ff. (geltendes Recht) | NUFG 2026 (Vorentwurf) | LkSG (aktuell) | CSDDD / CSRD Omnibus I (RL 2026/470) |
|---|---|---|---|---|
| Inkrafttreten | 1.1.2022 (Berichtspflicht) | Voraussichtlich 2028/2029 (nach Volksabstimmung) | 1.1.2023 (>3.000 AN) 1.1.2024 (>1.000 AN) → ca. 5.200 Unternehmen in D |
CSDDD: Geltung ab 26.7.2029 CSRD: vielfach schon in Kraft; Omnibus-Änderungen ab 19.3.2027 |
| Schwelle Berichterstattung | Nur PIEs: ≥500 VZÄ UND BS >20 Mio. CHF ODER Umsatz >40 Mio. CHF (konsolidiert, 2 GJ) → ca. 250 Unternehmen in CH | >1.000 VZÄ UND >450 Mio. CHF Weltumsatz → ca. 110 Unternehmen in CH; inhaltlich CSRD-äquivalent |
Kein eigenständiges Berichtsregime im LkSG; aber Nachhaltigkeits-bericht § 289c HGB für PIEs → ca. 955 Unternehmen in D nach Omnibus I |
CSRD >1.000 AN UND >450 Mio. EUR Umsatz (Drittstaaten: >450 Mio. EUR EU-Markt) → ca. 3.800 Unternehmen in EU |
| Schwelle Sorgfaltspflicht | Wie oben – aber nur Mineralien/ Kinderarbeit (sehr eng); kein allgemeines Human-Rights-Regime | >5.000 VZÄ UND >1,5 Mrd. CHF Weltumsatz → ca. 30 Unternehmen in CH |
>1.000 AN (kein Umsatzschwellenwert); niedrigschwelliger als NUFG/CSDDD; → 5.200 Unternehmen in D; nach Anpassung am Omnibus I ca. 276 Unternehmen | CSDDD >5.000 AN UND >1,5 Mrd. EUR Umsatz = identisch mit NUFG → ca. 1.000 Unternehmen in EU |
| Drittstaatenwirkung | Keine Drittstaatenregel | Art. 4/9 Abs. 2 NUFG: CH-Marktumsatz; Bevollmächtigter in CH pflicht (Art. 4 Abs. 4) | Kein explizites Drittstaatenregime; außer über Zweigniederlassung; indirekte Wirkung über Lieferkette | CSDDD: >1,5 Mrd. EUR EU-Markt CSRD: >450 Mio. EUR EU-Markt + EU-Tochter/Zweigstelle >200 Mio. EUR |
NUFG Art. 6 und CSDDD Art. 8–16 sind inhaltlich weitgehend strukturgleich. Beide folgen dem UNGP-Prozessmodell. Das LkSG weicht in Methodik, Lieferkettentiefe und Überwachungsturnus ab.
| Pflichtenelement | NUFG Art. 6 (Vorentwurf) | LkSG §§ 3–10 | CSDDD Omnibus I Art. 8–16 |
|---|---|---|---|
| Grundsatzerklärung / Verhaltenskodex (Art. 6 Abs. 2a NUFG) |
Strategie UND Verhaltenskodex; beides in Unternehmenspolitik und Risikomanagementsystem integrieren; Geschäftspartner müssen Verhaltenskodex einhalten (Art. 6 Abs. 3c NUFG) | § 6 Abs. 2 LkSG: Grundsatzerklärung (öffentlich); Verhaltensrichtlinie für eigene Mitarbeiter und Lieferanten; Menschenrechtsbeauftragter (§ 4 Abs. 3) | Art. 10 Abs. 2 CSDDD: Unternehmensrichtlinie für Due Diligence (Code of Conduct); Weitergabe in Lieferkette (Art. 10 Abs. 2b) vollharmonisiert |
| Risikoanalyse (Art. 6 Abs. 2b, Abs. 3a–b NUFG) |
Zweistufig (= CSDDD/Omnibus I): Stufe 1 – Scoping Exercise: Identifikation der Bereiche mit wahrscheinlichsten/ schwerwiegendsten Auswirkungen Stufe 2 – weiterführende Beurteilung nach: geografischem Kontext, Sektor, Produkt, DL, Geschäftspartner Bewertung tatsächlicher UND potenzieller negativer Auswirkungen zu „international anerkannten Bestimmungen zum Schutz der Menschenrechte und zum Schutz der Umwelt“ |
§ 5 LkSG: einstufig (kein Scoping/ In-Depth Konzept); jährlich und anlassbezogen; Risikofelder: Verletzung menschenrechtl. und umweltbezogener Schutzpflichten nach Anlage LkSG; auf unmittelbare Zulieferer fokussiert; mittelbare nur bei substanziierter Kenntnis (§ 5 Abs. 4) | Art. 8–9 CSDDD: zweistufig; vollharmonisiert; alle 5 Jahre (ad hoc bei neuen Erkenntnissen); Aktivitätskette inkl. downstream; Risikofaktoren: Geografie, Sektor, Produkt, Geschäftspartner explizit; Schutzgüter gemäß Anlagen |
| Prävention (Art. 6 Abs. 2c NUFG) |
Präventionsaktionsplan für potenzielle neg. Auswirkungen; keine explizite Regelung zur Kündigung (keine Kündigung als letztes Mittel wie CSDDD 2024; stattdessen: Kontrolle über Verhaltenskodex) | § 6 LkSG: präventive Maßnahmen bei unmittelbaren Zulieferern; vertragliche Zusicherungen; Schulungen; Risikobasierung; § 7 Abs. 3: Kündigung als allerletztes Mittel (ultima ratio) | Art. 10 CSDDD (post-Omnibus I): Präventionsaktionsplan; Kündigung als allerletztes Mittel gestrichen; nur Aussetzung der Geschäftsbeziehung als Sanktion; vollharmonisiert (Abs. 1–5) |
| Abhilfe (Art. 6 Abs. 2d–e NUFG) |
Tatsächliche neg. Auswirkungen: beheben, Ausmass minimieren; Korrekturmaßnahmenplan erstellen; Abhilfe für eingetretene Auswirkungen leisten (dreistufig: beheben, minimieren, Abhilfe leisten) | § 7 LkSG: Abhilfemaßnahmen bei unmittelbaren Zulieferern; bei mittelbaren Zulieferern nur bei substantiierter Kenntnis; konzeptionell enger als NUFG/CSDDD | Art. 11 CSDDD: Korrekturmass nahmenplan; Aussetzung statt Kündigung; Plan muss Erfolg erwarten lassen (Art. 10 Abs. 6c); vollharmonisiert (Abs. 1–6) |
| Stakeholder- Einbindung (Art. 6 Abs. 2f NUFG) | Explizite Pflicht: Interessenträger einbeziehen; «interessierte Personen» – breiter Kreis; keine abschliessende Definition im Gesetzestext | Stakeholder- Einbindungspflicht über Risikomanagement im LkSG (§ 4 Abs. 4); implizit über Beschwerdeverfahren; kein formaler Konsultationsprozess | Art. 13 CSDDD: Interessenträger einbeziehen; enger Kreis: nur direkt betroffene Beschäftigte, Gewerkschaften, Einzelpersonen/ Gemeinschaften; NGOs/Verbraucher ausgeschlossen; vollharmonisiert |
| Beschwerdeverfahren (Art. 6 Abs. 2g NUFG) | Meldesystem UND Beschwerdeverfahren für interessierte Personen (breiter als CSDDD: nicht nur direkt Betroffene); einrichten UND betreiben | § 8 LkSG: Beschwerdeverfahren; zugänglich für Betroffene im In- und Ausland; intern oder extern; jährliche Überprüfung; vertraulich | Art. 14 CSDDD: Beschwerdeverfahren; enger Kreis Interessenträger; vollharmonisiert; Behörde kann zusätzliche Verfahren vorsehen |
| KMU-Unterstützung (Art. 6 Abs. 2h NUFG) |
Explizite Pflicht: angemessene Unterstützung für KMU in der Aktivitätskette leisten; individuelle Umsetzungshilfe | Keine explizite KMU-Unterstützungspflicht im LkSG; implizit über Verhältnismäßigkeit; BMAS bietet „Hilfestellung“ an | Art. 10 Abs. 2b CSDDD: finanzielle und technische Unterstützung für Geschäftspartner; mit KMU in der Lieferkette; vollharmonisiert |
| Überwachung (Art. 6 Abs. 2i NUFG) |
Fortlaufend; kein starrer Turnus; Wirksamkeit der Massnahmen überwachen; Dokumentation laufend (Art. 7 Abs. 1 NUFG) | Analyse § 4 Abs. 3 LkSG: jährlich; Menschenrechtsbeauftragter als interne Zuständigkeit mit jährlicher Information an Geschäftsleitung; jährliche Wirksamkeitsanalysen | Art. 15 CSDDD: Regelturnus 5 Jahre (post-Omnibus I , vollharmonisiert); ad hoc bei plausiblen Anhaltspunkten; betriebsinterne Zuständigkeit (MR-Beauftragter) nicht mehr vorgeschrieben |
| Informationsanforderung an Geschäftspartner (Art. 6 Abs. 4 NUFG) | Geschäftspartner <5.000 VZÄ: Informationen nur anfordern, wenn anderweitig nicht erhältlich; KMU-Schutzklausel; Geschäftspartner zur Auskunft verpflichtet (Art. 6 Abs. 5 NUFG) | Keine explizite Einschränkung trotz risikobasiertem Ansatz; faktisch durch Verhältnismäßigkeit begrenzt; § 9 LkSG: Dokumentation der Informationsgrundlage; mittelbare Zulieferer: nur bei substanziierter Kenntnis (§ 5 Abs. 4) | Art. 8 Abs. 3 CSDDD: Partner <5.000 AN: Information nur wenn nicht anderweitig beschaffbar (= NUFG Konzept); Value Chain Cap vollharmonisiert |
| Aktivitätskette / Lieferkette (Art. 3 lit. a NUFG) |
Aktivitätskette: vorgelagerte UND nachgelagerte Geschäftspartner (Vertrieb, Beförderung, Lagerung durch/für das Unternehmen); breiter als LkSG-Lieferkette | § 2 Abs. 5–7 LkSG: Lieferkette für Herstellung des Produkts; downstream nicht erfasst; Fokus upstream (Zulieferer); begrenzte downstream-Pflichten | Art. 3 Abs. 1f CSDDD: Activities Chain (upstream UND downstream); mit einigen Einschränkungen beim downstream; ähnlich wie NUFG-Konzept |
| Befreiung durch gleichwertiges Regelwerk (Art. 5 NUFG) | Art. 5 NUFG: Befreiung von Modalitäten wenn gleichwertiges international anerkanntes Regelwerk eingehalten; Bundesrat bestimmt Regelwerke; Angabe im Geschäftsbericht | Keine Befreiungsmöglichkeit bei gleichwertigem internation. Regelwerk; CSDDD-Compliance wird durch Transposition in deutsches Recht automatisch erfüllt | Kein explizites Äquivalenzprivileg für Drittstaaten; außer: national anerkannte Standards können bei MS- Transposition anerkannt werden |
Das LkSG hat kein eigenständiges Nachhaltigkeitsberichtsregime und ist daher beim Vergleich der Berichtspflichten nicht massgeblich. Massgeblich ist allein der Vergleich NUFG vs. CSRD/ESRS.
| Aspekt | NUFG Art. 9–14 | CSRD / ESRS (RL 2026/470) |
|---|---|---|
| Berichtsstandard (Art. 12 NUFG) |
Art. 12 Abs. 1 NUFG: «In der Europäischen Union verwendeten Standard oder anderen gleichwertigen Standard»; Bundesrat bezeichnet anerkannte Standards; Standard in seiner Gesamtheit zu übernehmen (Art. 12 Abs. 3: kein Cherry-Picking) | ESRS (delegierte VO 2023/2772) verpflichtend; ESRS E1–E5, S1–S4, G1; doppelte Wesentlichkeitsanalyse entscheidet, welche Standards anwendbar; Keine Wahlfreiheit beim Rahmen selbst |
| Inhalt / Doppelte Wesentlichkeit (Art. 11 NUFG) |
Art. 11 Abs. 1 NUFG: Inside-Out (Impact): Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit auf Nachhaltigkeitsaspekte Outside-In (Financial): Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf Geschäftsverlauf, -ergebnis und Lage → nahezu wörtliche Übernahme des ESRS 1 Doppelte- Wesentlichkeit-Konzept | ESRS 1 (Querschnittsstandard): doppelte Materialitätsanalyse als Methode; Insignificance Threshold; Time Horizons (kurz/mittel/lang); Value Chain inkl. upstream und downstream; Beides: Impact Materiality und Financial Materiality zu prüfen |
| Themenstruktur (Art. 11 Abs. 2 NUFG) |
Art. 11 Abs. 2 NUFG: a) Umweltfaktoren inkl. Netto-Null-Ziel 2050 b) Sozialbelange inkl. Arbeitnehmerbelange c) Menschenrechtsbelange d) Governance inkl. Korruptionsbekämpfung → entspricht ESRS-Themenstruktur |
ESRS E1 Klima, E2 Umweltverschmutzung, E3 Wasser, E4 Biodiversität, E5 Kreislauf; S1 eigene Belegschaft, S2 Wertschöpfungskette, S3 Gemeinschaften, S4 Verbraucher; G1 Governance; + ESRS 2 allgemeine Angaben; Materialitätsanalyse entscheidet Umfang |
| Inhaltliche Pflichtangaben (Art. 11 Abs. 3 NUFG) |
Art. 11 Abs. 3 NUFG: a) Geschäftsmodell und Strategie; b) Zeitplan Nachhaltigkeitsziele; c) Rolle und Fachkenntnisse oberste Organe; d) Unternehmenspolitik Nachhaltigkeit; e) Anreizsysteme für Board und Geschäftsführung; f) risikobasierte Sorgfaltsprüfung; g) wesentliche tatsächliche/potenzielle neg. Auswirkungen + Überwachungsmassnahmen; h) Massnahmen zur Verhinderung/Minderung/ Behebung neg. Auswirkungen + Erfolg; i) wesentliche Risiken + Handhabung; j) relevante Kenn- und Messgrössen |
ESRS 2 (allgemeine Angaben): GOV (Governance), SBM (Strategie/ Geschäftsmodell), IRO (Impacts/Risks/ Opportunities) – entsprechen strukturell NUFG Art. 11 Abs. 3; Themenspezifische ESRS: Spezifischere DR (Disclosure Requirements) mit Datenpunkten pro Thema; Incentive Disclosures (ESRS 2 GOV-3) = NUFG Art. 11 Abs. 3e; Value Chain Cap (Art. 12 Abs. 4 NUFG) = ESRS 1 Rz. 60 ff. |
| Klimaangaben (Art. 11 Abs. 2a, Abs. 6 NUFG) |
Art. 11 Abs. 2a: Stand Netto-Null-Ziel bis 2050 (1,5°C); kein Klimatransitionsplan zwingend; Bundesrat kann Vorschriften zu Klimabelangen erlassen (Art. 11 Abs. 6 NUFG); Scope-3-Emissionen: nicht explizit erwähnt, aber über ESRS E1 erfasst bei Wahl dieses Standards | ESRS E1: umfassend: Scope 1–3 THG-Emissionen; GHG-Intensitäten; Transition Plan; Klimarisiken (physisch und transitorisch); Energieverbrauch; Taxonomie-KPIs (Annex A zu ESRS E1); kein zwingender Klimatransitionsplan nach Omnibus I |
| EU-Taxonomie (kein NUFG-Artikel) |
NUFG enthält keinen Verweis auf EU-Taxonomie; Schweiz hat keine eigene Taxonomie; aber: wenn ESRS als Standard gewählt (Art. 12 NUFG) und gleichzeitig CSRD- pflichtig → Taxonomie-KPIs über ESRS E1 Annex A verpflichtend; für rein NUFG-pflichtige Unternehmen (ohne CSRD-Nexus): keine Taxonomie- Pflicht, da Taxonomie EU-Verordnung; Ambiguität: wenn ESRS «in Gesamtheit» gilt, gilt dann auch E1 Annex A? | VO 2020/852 (EU-Taxonomie): verpflichtende KPIs im CSRD-Bericht (ESRS E1 Annex A): Umsatz-KPI, Capex-KPI, Opex-KPI; nur für CSRD-pflichtige Unternehmen; Nicht für Drittstaatenunternehmen ohne EU-Nexus; MSS (Art. 18 VO 2020/852) = inhaltlich deckungsgleich mit NUFG/LkSG-Sorgfalt |
| Prüfung (Art. 13 NUFG) |
Art. 13 NUFG: begrenzte Prüfsicherheit (limited assurance) durch Revisionsunternehmen nach Art. 6a RAG; nur staatlich beaufsichtigte Revisions- unternehmen (keine Konformitäts- bewertungsstellen wie im OR-Vorentwurf); Aufsichtsbehörde kann höhere Prüftiefe verlangen (Art. 7 Abs. 4 NUFG) | CSRD: limited assurance durch Revisionsunternehmen ODER Konformitätsbewertungsstellen; Kommission prüft Übergang zu reasonable assurance (bis 2029); ISSB/IAASB-Standards massgeblich; ISAE 3000/ISSA 5000 |
| Format und Sprache (Art. 14 NUFG) |
Art. 14 Abs. 1: Landessprache oder Englisch; Art. 14 Abs. 2: einheitliches elektronisches Format, international anerkannter Standard; Bundesrat erlässt näheres (iXBRL erwartet) | CSRD: iXBRL verpflichtend; EFRAG XBRL-Taxonomy; Digitales Tagging aller Angaben; European Single Access Point (ESAP); CH kann eigenen Standard designieren |
| Genehmigung (Art. 14 Abs. 3 NUFG) |
Oberstes Leitungs- oder Verwaltungsorgan; ZUSÄTZLICH: verbindliche Genehmigung durch das für Jahres-/Konzernrechnung zuständige Organ (i.d.R. Generalversammlung) | Board-Verantwortung; Genehmigung durch Aufsichtsgremium; kein zwingender GV-Beschluss; aber: Board-Mitglieder persönlich verantwortlich für Vollständigkeit |
| Veröffentlichung und Aufbewahrung (Art. 14 Abs. 4 NUFG) |
Art. 14 Abs. 4a: umgehend nach Genehmigung; Art. 14 Abs. 4b: bei Nichtgenehmigung: publizieren und kennzeichnen; Art. 14 Abs. 4c: gleichzeitig bei RNAB einreichen; Art. 14 Abs. 4d: mindestens 10 Jahre öffentlich zugänglich | CSRD: umgehend nach Genehmigung; European Single Access Point (ESAP); 10 Jahre öffentlich zugänglich; nationaler Registrierungsdienst |
| Befreiung (Art. 10 NUFG) |
Art. 10 Abs. 1a: gleichwertiger Bericht nach ausländischem Recht (CSRD-konform); Art. 10 Abs. 1b: Konsolidierung bei berichtspflichtiger Mutter; Art. 10 Abs. 1c: reine Beteiligungsgesellschaft ohne operative Tätigkeit | CSRD: Befreiung durch Gruppen- bericht der Muttergesellschaft; reine Holding-Befreiung; kein eigener Bericht wenn Mutter CSRD-konform berichtet |
| Lieferkettendaten (Art. 12 Abs. 4 NUFG) |
Geschäftspartner in Wertschöpfungskette <1.000 VZÄ: nur Informationen anfordern, die üblicherweise zwischen Unternehmen des Wirtschaftszweigs ausgetauscht werden; und: auf Basis eines vom Bundesrat bezeichneten freiwilligen Standards für nicht-Berichtspflichtige (VSME?) | CSRD: Value Chain Cap; Freiwilliger VSME-Standard (EFRAG) für Lieferanten; Standardisierte Anfragen nach «reasonable information»; kein übermässiger Aufwand für KMU in Lieferkette |
| Kriterium | OR 964a ff. (alt) | NUFG Art. 15–19 | LkSG § 3 Abs. 3 | CSDDD Omnibus I Art. 29 |
|---|---|---|---|---|
| Zivilrechtliche Haftung | Keine; allg. OR-Recht gilt (Art. 41 ff. OR) | Art. 16 NUFG: Verschuldenshaftung (Vorsatz/Fahrlässigkeit) für eigene Sorgfaltspflicht- verletzungen im Ausland; Haftung richtet sich ausschliesslich nach Art. 16 NUFG | § 3 Abs. 3 LkSG: kein eigenständiges Haftungsregime; anderweitige Haftung (§ 823 BGB) bleibt unberührt; kein EU-Mindeststandard | Art. 29: Verweis auf nationales Recht; kein harmonisiertes EU-Haftungsregime; nur Leitplanken: keine Überkompensation, Beweisoffenlegung, Verjährung, Solidarhaftung |
| Konzernhaftung / Geschäftspartner-haftung | Nicht geregelt | Art. 15 Abs. 2 NUFG: Haftung für Geschäftspartnerverhalten explizit ausgeschlossen; Variante: Art. 16 NUFG (Ausschluss als eigenständiger Art.) bei Vorsatz/Fahrlässigkeit eigener Pflichtverletzung | § 3 Abs. 3: keine eigenständige Konzernhaftung; indirekte Haftung über § 830 BGB denkbar; kein Ausschluss-Tatbestand | Kein harmonisierter Ausschluss; nationales Recht entscheidet |
| Beweislast | OR-Grundsatz: Kläger trägt Beweislast (Art. 8 ZGB) | Keine Beweislastumkehr; OR-Grundsatz gilt; aber Art. 19 NUFG: gerichtliche Beweisoffenlegung (structural advantage für Kläger) | ZPO-Grundsatz: Kläger trägt Beweislast; kein LkSG-spezifisches Beweisrecht | Omnibus hat Beweislastumkehr gestrichen; Mitgliedstaaten können eigenständig einführen; Art. 29 Abs. 6: Beweisoffenlegung als Leitplanke beibehalten |
| Beweisoffenlegung | Allg. ZPO-Recht | Art. 19 NUFG: klagende Partei kann Offenlegung verlangen bei Glaubhaftmachung von Anspruch + Erheblichkeit; Gericht beschränkt auf erforderliches Mass; Drittschutz vorgesehen | Keine spezifische Regelung; allg. ZPO-Discovery nicht bekannt (German law); Strafprozessuale Mittel ggf. über BAFA-Verfahren | Art. 29 Abs. 6: Leitplanke beibehalten; MS müssen Regelung vorsehen; kein einheitlicher Standard; Forum Shopping auch hier |
| Verjährung | Art. 60 OR: 5 Jahre ab Kenntnis, 10 Jahre absolut | Art. 18 NUFG: 5 Jahre ab Kenntnis, 20 Jahre absolut (längere absolute Frist als OR-Standard) | § 195 BGB: 3 Jahre (reguläre Verjährung); § 199: ab Jahresende der Kenntnis; max. 10 Jahre (Regelverjährung) | Leitplanke: angemessene Frist; nationales Recht gilt; kein EU-Standard |
| Schlichtung | Allg. ZPO-Recht | Art. 212a–c ZPO (neu): obligatorisches Schlichtungs- verfahren vor besonderer kantonaler Schlichtungsbehörde bei allen NUFG-Kap. 3-Streitigkeiten; Schlichtungsbehörde: Fachkenntnisse erforderlich | Keine Pflichtschlichtung; allg. Zivilrecht | Nicht harmonisiert; nationales Recht |
| Öffentl.-rechtl. Sanktionen | Art. 325ter StGB: Busse bis CHF 100.000 bei vorsätzlich falscher Berichterstattung | Art. 30 NUFG: Verweis, Anordnung, Gewinnabschöpfung; Art. 31 NUFG: bis 3% weltweiter Umsatz; Ausschluss öffentliche Aufträge bis 5 Jahre; Art. 32: Veröffentlichung der Verfügung | § 24 LkSG: bis 2% weltweiter Jahresumsatz; Ausschluss öff. Aufträge bis 3 Jahre (>175.000 EUR); Anhebung auf 3% nach CSDDD-Transposition zwingend | Art. 27 CSDDD: bis 3% weltweiter Nettoumsatz; öffentliche Erklärung bei Verstoss; Kommission gibt Leitlinien zur Bemessung heraus |
| Instrument | Rechtsgrundlage | Kernfunktion | Verhältnis zu NUFG |
|---|---|---|---|
| CSRD | RL 2022/2464; RL 2026/470 (Omnibus I) | Berichterstattungspflicht: Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS; doppelte Materialität; limited assurance; iXBRL |
NUFG Art. 12: ESRS oder Gleichwertiges; CSRD-Compliance schafft NUFG-Äquivalenz; Schweizer Unternehmen mit >450 Mio. EUR EU-Umsatz müssen beide Regime erfüllen |
| CSDDD | RL 2024/1760; RL 2026/470 (Omnibus I) | Sorgfaltspflichten: Menschenrechte + Umwelt; Vollharmonisierung zentraler Bereiche; Aufsicht + Sanktionen | NUFG Art. 4–8: strukturell identisch mit CSDDD Omnibus; gleiche Schwellenwerte (5.000 AN / 1,5 Mrd.); NUFG ergänzt um Schweizer Haftungs-/Verfahrensrecht |
| EU-Taxonomie | VO 2020/852; Del. VO 2021/2139 (Klima, Umwelt) | Klassifikation ökologisch nachhaltiger Tätigkeiten; 6 Umweltziele; DNSH; MSS; KPIs: Umsatz/Capex/Opex | NUFG enthält keinen Verweis; Schweiz hat keine eigene Taxonomie; NUFG-Berichtspflichtige mit CSRD-Nexus müssen Taxonomie-KPIs über ESRS E1 Annex A integrieren (Schweizer Lücke) |
| ESRS-Standard | Themenbereich | Relevanz NUFG-Bericht (Art. 11–12 NUFG) | Konnexität LkSG |
|---|---|---|---|
| ESRS 1 Querschnitt | Allg. Anforderungen: doppelte Materialität, Wertschöpfungskette, Zeithorizonte | Methodisches Fundament; doppelte Materialität = NUFG Art. 11 Abs. 1 (inside-out + outside-in) nahezu wörtlich übernommen | LkSG: kein Konzept doppelter Materialität; rein risikobasiert (Outside-Out); nur Impact-Perspektive; keine Financial Materiality |
| ESRS 2 Allg. Angaben | Governance (GOV), Strategie/Geschäftsmodell (SBM), IRO-Management, Stakeholder | NUFG Art. 11 Abs. 3a–f: direkte inhaltliche Parallelität; ESRS 2 liefert die Struktur für NUFG-Pflichtangaben | §§ 4, 5, 6 LkSG: Grundsatzerklärung und Risikoanalyse decken Teile von ESRS 2 ab; kein formaler ESRS-Bezug |
| ESRS E1 Klimawandel | THG-Emissionen Scope 1–3; Klimarisiken; Transitionsplan (wenn vorhanden); EU-Taxonomie-KPIs (Annex A) | NUFG Art. 11 Abs. 2a: Netto-Null-Ziel bis 2050; kein Klimaplanszwang; Scope 3 durch ESRS E1 erfasst wenn Standard gewählt; Taxonomie-KPIs: nur wenn auch CSRD-pflichtig! | LkSG: kein Klimabezug; keine THG-Emissionen; außer: CSRD-pflichtige Unternehmen berichten über E1 zusätzlich zum LkSG-Bericht |
| ESRS S2 Wertschöpfungskette | MR, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Löhne, Diskriminierung bei Lieferanten | NUFG Art. 11 Abs. 2c: Menschenrechtsbelange; direkte Überschneidung; ESRS S2 operationalisiert NUFG-Berichtspflicht | LkSG § 2 Abs. 2: Kernarbeitsrechtsstandards; inhaltlich weitgehend deckungsgleich mit ESRS S2; LkSG-Bericht = faktische Vorbereitung auf ESRS S2 |
| ESRS G1 Governance | Antikorruption, Lobbying, Zahlungspraktiken, Whistleblowing | NUFG Art. 11 Abs. 2d: Governance inkl. Korruptionsbekämpfung; direkte Parallelität; Anreizsysteme: Art. 11 Abs. 3e | LkSG: kein expliziter Governance-Standard; Hinweisgeberschutz HinSchG separat |
| Element | Inhalt |
|---|---|
| 6 Umweltziele (Art. 9 VO 2020/852) |
1. Klimaschutz (Mitigation) 2. Anpassung an den Klimawandel (Adaptation) 3. Nachhaltige Nutzung von Wasser- und Meeresressourcen 4. Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft 5. Vermeidung und Verminderung von Umweltverschmutzung 6. Schutz und Wiederherstellung der Biodiversität |
| 4 Kriterien (Art. 3 VO 2020/852) |
1. Wesentlicher Beitrag zu mindestens einem Umweltziel (SCC) 2. Kein erheblicher Schaden für andere Umweltziele (DNSH) 3. Soziale Mindeststandards (MSS): UNGP, OECD-Leitsätze, ILO-Kernarbeitsnormen – inhaltlich deckungsgleich mit NUFG/LkSG-Sorgfalt 4. Technische Bewertungskriterien (TSC) der delegierten Rechtsakte |
| Berichts-KPIs (für CSRD-Pflichtige) | Umsatz-KPI: Anteil taxonomiekonformer Umsätze am Gesamtumsatz Capex-KPI: Anteil taxonomiekonformer Investitionen am Gesamt-Capex Opex-KPI: Anteil taxonomiekonformer Betriebsausgaben am Gesamt-Opex |
| Schweizer Taxonomie-Lücke |
Schweiz hat keine eigene Taxonomie (keine gesetzliche Grundlage) NUFG verweist nicht auf Taxonomie; keine CH-Äquivalenzregelung Unternehmen mit CSRD-Nexus (>450 Mio. EUR EU-Umsatz): Taxonomie-KPIs über ESRS E1 Annex A verpflichtend Unternehmen nur NUFG-pflichtig (kein CSRD-Nexus): formal keine Taxonomie-Pflicht, auch wenn ESRS als Standard gewählt – Ambiguität bei Gesamtübernahme ESRS E1 nach Art. 12 Abs. 3 NUFG Investoren/Finanzierungspartner fordern Taxonomie-Angaben zunehmend auch ohne Pflicht |
| Unternehmensprofil | CSRD/ESRS | NUFG Sorgfalt | NUFG Bericht | LkSG | EU-Taxonomie |
|---|---|---|---|---|---|
| CH Konzern: >5.000 VZÄ, >1,5 Mrd. CHF, >450 Mio. EUR EU-Umsatz, EU-Tochter |
✓ CSRD-pflichtig (Drittstaatenregel); Bericht nach ESRS; ca. 115 CH-Unternehmen stehen bereits unter CSRD-Drittstaatenregel | ✓ Art. 4 NUFG; ca. 30 Unternehmen | ✓ Art. 9 NUFG; ESRS-Bericht erfüllt NUFG Art. 12 → Äquivalenz; kein Doppelaufwand | ✗ Kein LkSG; außer DE-Tochter >1.000 AN | ✓ Im ESRS-Bericht enthalten; E1 Annex A KPIs pflichtgemäß |
| CH Konzern: >1.000 VZÄ, >450 Mio. CHF, aber <450 Mio. EUR EU-Umsatz |
✗ Keine CSRD; unterhalb Drittstaaten- schwelle | ✗ Unter NUFG- Sorgfaltsschwelle | ✓ Art. 9 NUFG; ca. 80 weitere CH- Unternehmen; Standard: ESRS oder Gleichwertiges; bei reinem CH-Nexus: keine Taxonomie-Pflicht | ✗ Kein LkSG | ✗ Formal keine Pflicht; aber Ambiguität bei Gesamtüber- nahme ESRS E1 |
| DE Konzern: >5.000 AN, >1,5 Mrd. EUR, CH-Tochter, CH-Markt >1,5 Mrd. CHF | ✓ CSRD-pflichtig; Bericht nach ESRS; CH-Tochter als Value Chain | ✓ Art. 4 Abs. 2 NUFG (Drittstaaten); Bevollmächtigter in CH (Art. 4 Abs. 4) | ✓ Art. 9 Abs. 2 NUFG; aber: Mutterkonsolidierung befreit CH-Tochter (Art. 10 Abs. 1b) | ✓ LkSG-pflichtig; LkSG-Bericht § 10 LkSG; ca. 276 Unternehmen nach CSDDD-Anpassung | ✓ Im ESRS-Bericht enthalten |
| DE Mittelstand: >1.000 AN, kein CH-Nexus, kein Listing | ✗ Keine CSRD; außer: PIE und >1.000 AN | ✗ Kein NUFG- Nexus | ✗ Kein NUFG | ✓ LkSG-pflichtig; ca. 5.200 Unternehmen aktuell; nach CSDDD- Transposition: Anpassung auf CSDDD-Methodik | ✗ Keine Pflicht; außer SFDR (Kapitalmarkt) |
| CH KMU: <1.000 VZÄ, <450 Mio. CHF | ✗ Keine CSRD; aber Datenpflicht gegenüber Grosskunden als Value Chain Partner | ✗ Kein NUFG; aber Art. 6 Abs. 4 NUFG begrenzt Umfang der Datenanfragen durch Grosse | ✗ Kein NUFG | ✗ Kein LkSG | ✗ Keine Pflicht; VSME freiwillig; Kunde kann Taxo- nomiedaten anfragen |
[1] Es gab schon zuvor a-f Regelungen die damit zu d-i verschoben wurden: https://eskript.ius.unibas.ch/gesellschaftsrecht/f-aussenverhaltnis/%C2%A720-publizitaet-und-transparenz/3-nicht-finanzielle-transparenz/
von mehreren Autoren
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Yves Rocher / Flormar — Sachverhalt, Rechtsvergleich zu LkSG / CSDDD und Implikationen für deutsche Unternehmen