Autor
Dirk Lorenz

Dr. Dirk Lorenz

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1. November 2019

Predictive Coding bei Internal Investigations

Ein Unternehmen leistet zur Erlangung eines lukrativen Auftrags im Ausland auf Grundlage eines fingierten Beratungsvertrags eine verdeckte Korruptionszahlung an lokale Vermittler – ein Beispiel für die Verletzung von Compliance-Vorgaben. In Fällen wie diesen beauftragt die Unternehmensleitung häufig eine Anwaltskanzlei mit einer internen, diskreten Sachverhaltsaufklärung. Doch wie werden solche internal Investigations von Kanzleien überhaupt bearbeitetet und welche Rolle spielt die Digitalisierung dabei? Unser Compliance Experte Dirk Lorenz gibt im Folgenden einen Einblick in die Thematik.


Was kann man sich unter dem Begriff „Predictive Coding“ im Zusammenhang mit einer Internal Investigation vorstellen?Dabei handelt es sich um ein Verfahren aus dem Bereich künstlicher Intelligenz, das sich die Grundsätze des maschinellen Lernens zu eigen macht, um auf Grundlage der Prüfung einer kleinen Dokumentenauswahl durch einen menschlichen Dokumenten-Reviewer eine sehr große Datenmenge automatisiert prüfen zu lassen.

Welche Unterschiede gibt es in den Anwendungsmöglichkeiten von Predictive Coding im Vergleich von Deutschland zum angloamerikanischen Raum?
Der Einsatzbereich des Predictive Coding erstreckt sich neben Internal Investigations insbesondere auch auf Discovery/Disclosure-Verfahren in angloamerikanischen Gerichtsprozessen. Die Zulässigkeit der Verwendung von Predictive Coding in Verfahren vor englischen Gerichten wurde bereits bejaht. Das deutsche Prozessrecht kennt kein Discovery/Disclosure-Verfahren, insoweit konzentriert sich der Einsatzbereich hierzulande auf Internal Investigations. Dabei sind die besonderen Anforderungen der DSGVO zu beachten.

In wieweit hat sich Ihr juristischer Alltag durch die Möglichkeit des Einsatzes solcher Methoden bereits verändert?
Predictive Coding ist bereits fester Bestandteil unserer täglichen Beratung. Denn der Zeit- und Kostenaufwand einer Internal Investigation kann durch Predictive Coding gegenüber einer traditionellen Durchführung erheblich reduziert werden. Auch bietet der Einsatz von künstlicher Intelligenz großes Potenzial für konsistentere Ergebnisse und damit eine bessere Qualität der Investigation.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen könnten, was würden Sie im Hinblick auf den Einsatz von Predictive Coding in Internal Investigations vorfinden?
Der Einsatz von Predictive Coding ist bereits jetzt ein Standard-Instrument im Rahmen von Internal Investigations. Die Einsatzmöglichkeiten werden sich parallel zur technischen Fortentwicklung erweitern. Soweit ein sorgfältiges Training der Software und gewissenhafte Überprüfungen der Ergebnisse gewährleistet sind, wird das Verfahren traditionelle Arbeitsprozesse einer Internal Investigation zunehmend ablösen. Bislang sind Predictive Coding-Angebote noch hochpreisig, sodass sie sich derzeit nur bei sehr umfangreichen Untersuchungen lohnen. Dies wird sich jedoch mit weiterer Verbreitung ändern, was gerade durch die gerichtliche Anerkennung in Europa gefördert wird.

Weitere Informationen über den Einfluss und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Prozessführung finden Sie in unserem PlugIn-Magazin in der Ausgabe Digitising Disputes.

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