In wenigen Tagen, am 7. Juni 2026 endet die Frist zur Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie – doch Österreich wird sie wohl verstreichen lassen. Während die nationale Umsetzung weiter auf sich warten lässt und kein konkreter Zeitplan vorliegt, steigt in Unternehmen der Druck. Karolin Andréewitch-Wallner, Arbeitsrechts-Expertin bei Taylor Wessing in Wien, betont jedoch, dass die Verzögerung keineswegs als Signal der Entspannung verstanden werden sollte: „Der Weg zur späteren Gesetzeskonformität erfordert umfassende Vorbereitungen.“
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll geschlechtsspezifische Entlohnungsunterschiede transparenter machen und Diskriminierung bei der Vergütung verhindern. Vorgesehen sind unter anderem Informationsrechte für Arbeitnehmer:innen, Transparenzpflichten bei Gehältern sowie strengere Anforderungen an nachvollzieh-bare und diskriminierungsfreie Entgeltsysteme. Auch die Rechtsdurchsetzung für Betroffene wird erleichtert.
Unternehmen dürfen Verzögerung nicht falsch verstehen
Einzelne Aspekte der Richtlinie sind zudem in Österreich bereits heute rechtlich relevant – etwa durch bestehende Gleichbehandlungs-, Diskriminierungs- oder arbeitsrechtliche Bestimmungen. Unternehmen bewegen sich daher keineswegs in einem rechtsfreien Raum. So bestehen bereits jetzt insbesondere Verpflichtungen zur diskriminierungsfreien Stellenausschreibung, Schadenersatzansprüche bei Entgeltdiskriminierung sowie Benachteiligungsverbote im Zusammenhang mit der Geltendmachung von Entgeltansprüchen.
Besonders herausfordernd dürfte für viele Unternehmen die Analyse bestehender Entgeltmodelle werden. Häufig fehlen einheitliche Kriterien für Gehaltsfestlegungen oder ausreichend transparente Prozesse.
„Entgelttransparenz wird für Unternehmen zunehmend auch zu einem Reputations-Thema“, so Arbeitsrechts-Expertin Andréewitch-Wallner. „Vorbereitung statt Abwarten: Unternehmen, die sich frühzeitig mit den kommenden Anforderungen auseinandersetzen, reduzieren rechtliche Risiken und stärken zugleich das Vertrauen von Mitarbeiter:innen und Bewerber:innen – ein Faktor, der gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zunehmend an Bedeutung gewinnt.“