Internationale Dispute Resolution Studie von Taylor Wessing
Streitlust steigt in der Wirtschaftskrise – Außergerichtliche Verfahren zur Streitbeilegung zunehmend gefragt - Kanada, Deutschland, Großbritannien und Singapur mit Bestnoten für die juristische Infrastruktur
Die Anzahl der Rechtsstreitigkeiten zwischen Unternehmen wird in den nächsten zwölf Monaten erheblich steigen. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie der internationalen Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing. Die Studie basiert auf den detaillierten Umfrageergebnissen von über 300 Entscheidungsträger aus der Wirtschaft.
Über 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass mit der Wirtschaftskrise mehr über Vertragsinhalte gestritten wird.
75 Prozent der Befragten halten das deutsche und britische Prinzip, demzufolge der Verlierer im Rechtsstreit die Kosten trägt, international für vorteilhaft.
Das Kostenrisiko aus Gerichtsverfahren belastet die Unternehmen, sie nutzen daher immer öfter preisgünstige außergerichtliche Verfahren zur Streitbeilegung.
"Schiedsgerichte und Mediation erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Unternehmen, wie die Studie zeigt", sagt Harald Bechteler, Leiter des Bereichs Prozessführung und Streitbelegung bei Taylor Wessing in Deutschland.
"Auch die Bedeutung von Streitbeilegungsklauseln in Verträgen wird durch die Studie belegt. Unternehmen, die international tätig sind, sollten in ihren Verträgen das für sie günstigste Rechtssystem vereinbaren", rät Bechteler.
Kostenrisiko minimieren
„Im aktuellen Wirtschaftsklima ist es nicht verwunderlich, dass die Kosten der Streitbeilegung eine wichtige Rolle spielen. Unsere Studie belegt, dass gerichtliche Verfahren zunehmend als teuerste und daher letzte Lösung zur Streitbeilegung angesehen werden“, sagt Richard Marsh, Leiter der Commercial Disputes Group bei Taylor Wessing LLP in London: „Umso wichtiger ist es, dass Unternehmen und ihre Rechtsabteilungen darauf vertrauen können, dass ihre juristischen Berater alle Möglichkeiten der alternativen Streitbeilegung sowie die Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Rechtssysteme kennen und nutzen können.“
Bevorzugte Rechtssysteme
Die Studie zeigt auch, welche Länder und Rechtssysteme im Urteil der Befragten die beste juristische Infrastruktur für die Streitbeilegung bieten. Deutschland erhält besonders gute Noten für den hervorragenden Ruf seiner Gerichte. Die Befragten loben den klaren Aufbau der Rechtsstrukturen und seiner Abläufe sowie das große Angebot versierter Rechtsexperten.
International bieten vor allem Großbritannien, Australien und Kanada die verlässlichsten Rechtssysteme für Auseinandersetzungen über Vertragsinhalte. Singapur gilt im globalen Kontext als zunehmend beliebter Gerichtsstand und erhält ebenfalls gute Noten. Insgesamt haben die Befragten der Studie Kanada als Rechtssystem mit dem „best value for money“ bewertet.
Kein einheitliches Niveau in den USA
Innerhalb der USA belegen die Bundesstaaten im Nordosten einschließlich New York, Connecticut und Pennsylvania die vorderen Plätze. Positiv bewertet wird vor allem die Konzentration von juristischem Know-How in den zahlreichen spezialisierten Kanzleien in diesen Staaten. Die Befragten berichten aber auch von sehr wechselhaften Erfahrungen in den einzelnen Bundesstaaten der USA.
Nachholbedarf in den BRIC-Staaten
Die Aufsteiger im globalen Wirtschaftsleben wie die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China haben durchgehend noch deutlichen Nachholbedarf. Die Befragten urteilen übereinstimmend, dass diese Staaten ihre Rechtssysteme und juristische Infrastruktur noch auf das Niveau der entwickelten Länder heben müssen.
„Die Studie zeigt, wie wichtig es ist, Verfahren zur Streitbelegung bereits in den Verträgen festzulegen“, kommentiert James Crabtree, Head der Insurance Group bei Taylor Wessing LLP in London: „Gleichlautende Vertragsinhalte können in den einzelnen Rechtssystemen jeweils anders interpretiert werden. Das mit dem Vertrag beabsichtigte Ergebnis kann sehr je nach zugrunde liegendem Vertragsrecht und dem vereinbarten Verfahren zur Streitbeilegung sehr unterschiedlich ausfallen.“
Die Ergebnisse der Studie im Überblick:
- 60% der Befragten erwarten einen Anstieg der Rechtsstreitigkeiten zwischen Unternehmen.
- Gerichtsverfahren sind derzeit noch der meist genutzte Weg zur Beilegung solcher Rechtsstreitigkeiten. Bevorzugt werden jedoch außergerichtliche Verfahren. Sie gelten als schneller, billiger oder im Ergebnis verlässlicher.
- Über 75% der Befragten erklärten, dass sie nichts gegen Vertragsbestimmungen einzuwenden haben, die auch für außergerichtliche Verfahren die Möglichkeit einer Berufung für die unterlegene Streitpartei vorsehen.
- Mediation ist in vielen Fällen in Deutschland und Großbritannien ein fester Bestandteil der gerichtlichen Verfahren. Diese Entwicklung wird von der Mehrheit der Befragten begrüßt. Sie wünschen sich, dass sich das auch international durchsetzt.
- Großbritannien, Australien und Kanada sowie nahezu gleichauf auch Singapur erhalten von den Befragten die besten Noten für ein Rechtssystem, das verlässliche und vorhersehbare Ergebnisse bei der Streitbeilegung verspricht.
- Im Zivilrecht schneiden Deutschland und die Niederlande am besten ab.
- Kanada führt die Liste der Länder mit der besten juristischen Infrastruktur an. Die Befragten erhalten hier den "best value for money“.
- Die BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China sind trotz ihrer Investitionen in ihre juristische Infrastruktur noch längst nicht auf dem Niveau der entwickelten Länder.
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